Zunächst - bei der überwiegenden Anzahl der von uns erfassten Kriegstoten wird nicht angegeben, auf welcher vertraglichen Basis die Soldaten für Russland gestorben sind. Nur bei drei russischen Regionen wird häufig deren Status auch angeben: Baschkortostan, Burjatien und Jakutien. Wir haben deshalb diese drei Regionen herausgepickt und geschaut, wie viel Prozent die Berufssoldaten (Mannschaften und Offiziere), im Herbst 2022 Mobilisierten und die Freiwilligen ausmachen. Das Ergebnis dürfte dann in etwa auch auf die anderen russischen Regionen übertragbar sein.

Danach hatten wir im August 2025 unter den Kriegstoten

  • 3% Berufssoldaten, die seit Beginn des Krieges mit dabei waren,
  • 8% im Herbst 2022 mobilisierte Bürger Russlands
  • 89% Freiwillige der verschiedensten Kategorien, die erst nach Kriegsbeginn sich vertraglich verpflichtet hatten.

Die Zahlen im Einzelnen:

Trauerfeier UlanUde

Trauerfeier für einen getöteten Soldaten im Sportzenrum Lukodrom in Ulan-Ude

Die Nachrufe der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten aus Burjatien sind regelmäßig die Ausführlichsten in ganz Russland. Manchmal gleichen sie beinahe Bewerbungen für einen Arbeitsplatz. Natürlich sind die meisten Ausführungen geschönt, verschweigen die negativen Dinge, aber sie enthalten überwiegend die wichtigsten Fakten: Kompletter Name, Geburtstag und Ort, Schul- und Berufsausbildung, Familienstand, militärischer Status und Todeszeitpunkt.

Aus dem kurzen Zeitraum 4. - 5. September 2025 haben wir acht getötete Soldaten aus Burjatien erfasst, fünf davon waren Freiwillige, ein Berufssoldat und zwei junge Wehrpflichtige, der sich während ihres Dienstes zum Vertragsdienst überreden ließen. Von den fünf Freiwilligen waren drei Kurzzeitsoldaten, die kurz nach ihrer Ankunft im Kriegsgebiet auf Selbstmordangriffe geschickt wurden. Und auch die beiden Wehrpflichtigen starben schnell. Hier ihre Kurzbiografien:

KasachischerFriedhof

Kasachischer Friedhof

In der Oblast Omsk leben etwa 1,8 Millionen Menschen - Tendenz fallend. Im Ranking der russischen Regionen im Bezug auf die Lebensqualität  liegt die Oblast auf einem der hinteren Plätze in Russland. Im Süden grenzt die Oblast an Kasachstan und so wundert es nicht, dass die Kasachen mit knapp 80.000 Menschen die größte Minderheit in dieser Region stellen.

Auf dem kasachischen Friedhof in Omsk gibt es Dutzende Gräber von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen kasachischen Soldaten. Die Kasachen machen rund 4% der Bevölkerung aus. Unter den Kriegstoten der Region Omsk haben die ethnischen Kasachen aber einen Anteil von 15 %. 

Der Autor des Films gibt an, dass alle gezeigten Gräber zu kasachischen Kriegstoten gehören.

Maxim Wjatscheslawowitsch SuworowAls der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, war Maxim Wjatscheslawowitsch Suworow gerade 14 Jahre alt. Maxim wurde am 5. Juni 2007 in der städtischen Siedlung Kamensk in Burjatien geboren und am 24. Juli 2025 im Gebiet des Dorfes Nowy Komar in der Ukraine getötet.

Da es in Burjatien üblich ist, über die Gefallenen zwar geschönte, aber sehr ausführliche Nachrufe zu schreiben, können wir die Umstände seines frühen Todes ziemlich genau nacherzählen.

Auch die Geschichte von Maxim wirft ein düsteres Bild auf eine russische Gesellschaft, in der Macht und Erfolg über das Leben der eigenen Bürger gestellt werden. So werden auch 18-jährige Jugendliche bedenkenlos an der Front geopfert.

Polynkowskoje Friedhof

Die Stadt Tambow liegt 420 km südöstlich von Moskau und ist Hauptstadt der Oblast Tambow. Die Stadt hat aktuell 255.000 Einwohner, Tendenz fallend. Wir zeigen heute ein Video über die Gefallenen im Krieg gegen die Ukraine, die auf dem zentralen Polynkowskoje-Friedhof in Tambow beerdigt wurden. Das Video zeigt Fotos von den Gräbern - insgesamt 92. Wir konnten 63 neue Namen in unsere Datenbank aufnehmen.

Gefangene R

Unser Anspruch war schon immer, dem russischen Krieg so etwas wie ein Gesicht zu geben und all das menschliche Leid, das er verursacht, in den Vordergrund zu stellen. Die ukrainische Einheit "Rubisch (Grenze)"  hat russische Soldaten gefangen genommen und Fotos der Kriegsgefangenen veröffentlicht, deren Gesichter man die Schrecken jenes Krieges ansieht.

Wir haben uns deshalb entschlossen, diese Fotos auch zu zeigen.

Tschita Freiwillige Es ist der 27. Juni 2025, wir befinden uns auf dem Flughafen von Tschita, der Hauptstadt Transbaikaliens. Die Männer warten auf den Abflug eines Militär- oder Cargoflugzeugs, das sie in die Nähe des Kriegsgebiets in der Ukraine bringen soll.

Der Mann auf dem Foto ist Alexej Andrejewitsch Ryl, geboren am 10. Dezember 1982. Sollte der Name einen russlanddeutschen Ursprung haben, so könnte man den Nachnamen auch Rühl oder Riehl schreiben. Alexej hat vor dem Abflug dieses Foto und ein Zweites aus dem Inneren der Maschine an seine Frau geschickt. 

Radik Kosinow

Eigentlich ist es eine erbärmliche Trauerfeier am 18. August 25, bei der versucht wird, dem toten Radik Albertowitsch Kosinow einen würdigen, soldatischen Abschied zu bieten. Tatsächlich müssten sich alle Beteiligten die Frage stellen, warum hat niemand den dummen Jungen gestoppt? Zunächst seine Eltern, seine junge Frau, die Leute von der Militärregistrierung und zuletzt seine Kommandanten an der Front - alle hatten die Möglichkeit ihm zu erklären, Krieg ist kein Abenteuer oder Computerspiel. Wenn man Glück hat, kommt man traumatisiert nach Hause und wenn nicht - im Zinksarg

So brach am 19. Mai 2025 Radik  zu seinem ersten und letzten Kampfeinsatz an der Front in der Ukraine auf.

Alexander Funkner

Aleksander Aleksandrowitsch Funkner (Функнер Александр Александрович) wurde am 04. Februar 1980 im kleinen Dorf Wolowo (99 Einwohner im Jahr 2014)  in der Oblast Nowosibirsk geboren. Aleksander ist Russlanddeutscher.
Er wurde Berufssoldat und gehörte zur kämpfenden Truppe im Tschetschenienkrieg.
Nach seiner Pensionierung arbeitete er in einem Sandsteinbruch. Im Jahr 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde im März 2025 in der Region Kursk getötet.

Eduard Jurjewitsch Engel

Eduard Jurjewitsch Engel (Энгель Эдуард Юрьевич), geboren am 13. Mai 1993, wuchs im großen Dorf Kljutschi (Bezirk Kljutschewski) im Altai auf.
In seinerm Profil auf VKontakte gibt er, an in Omsk zu leben und verheiratet zu sein. Man kann annehmen, dass Eduard aus einer russlanddeutschen Familie stammt.
Nach den Fotos und dem Nachruf zu urteilen, lebte Eduard in eher ärmlichen Verhältnissen und gehörte nicht zu den angesehenen Bürgern seiner Gemeinde.

Sergej Nikolajewitsch Friesen

Sergej Nikolajewitsch Friesen (Фризен Сергей Николаевич), geb. am 5.07.1988, stammte aus Anschero-Sudschensk im Kohlebecken der Oblast Kemerowo. Die Stadt liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und befindet sich auf einem absterbenden Ast - seit 1960 hat sich die Bewohnerzahl auf 64.000 halbiert.
Sergej war ein einfacher Arbeiter im Schichtdienst, der von Baustelle zu Baustelle gereist ist. Auch er suchte das schnelle Geld beim Krieg in der Ukraine. Am 15.02.25 hat er nur den Tod gefunden. Verbindungen zu Russlanddeutschen haben wir nicht gefunden.

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Russlands Krieg gegen die Ukraine mit den vielen toten russischen Soldaten muss der eigenen Bevölkerung vermittelt werden. Ein gutes Beispiel dafür kommt aus südlichen Region Stawropol, das wir hier vorstellen wollen. In einem Video geht es um die gefallenen Kosaken der Region, insgesamt zeigt der Film 56 im Krieg gefallene Soldaten mit wenigen persönlichen Daten. 

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Stadt Sarapul am Fluss Kama -- Foto: Alexxx1979 -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Stadt Sarapul war bis zum Jahr 2010 eine Großstadt mit deutlich über 100.000 Bewohnern, einer starken industriellen Basis und ist die drittgrößte Stadt Udmurtiens. Sie liegt etwa 1.250 km östlich von Moskau. Doch auch diese Stadt schrumpft, hat in den letzten 30 Jahren etwa 20.000 Bewohner verloren, was die ökonomische Realität verdeutlicht. Sarapul liegt am Fluss Kama, ein 1.800 km langer Nebenfluss der Wolga.

Bewohner von Sarapul haben ein Video über einen ziemlich ungepflegten Soldatenfriedhof veröffentlicht, auf dem die Toten im Krieg gegen die Ukraine bestattet werden. Der Telegram-Kanal "Udmurtien gegen Korruption" schreibt dazu:

Watschi

Dorf Watschi -- Foto: Davdiev Rafael R  -- Lizenz: CC BY-SA 2.0

In den Regionen des Kaukasus leben etwa 50 unterschiedliche Völker mit eigener Kultur, Sprache und Religion. Heute wollen wir den Kulinsky Bezirk in der russischen Teilrepublik Dagestan vorstellen, in dem fast alle Bewohner zum Volk der Laken gehören. Etwa 160.000 Menschen in Dagestan bezeichnen sich als Laken, sie haben eine eigene Sprache und sind vorwiegend Muslime. Im Kulinsky Bezirk leben rund 11.000 Menschen, Zentrum des Bezirks ist das Dorf Watschi mit etwa 1.500 Bewohnern. Watschi ist etwa 100 km Luftlinie von der Republikhauptstadt Machatschkala entfernt.

Eine Redakteurin einer lokalen Zeitung hat ein Video zusammengestellt, das die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Laken zusammenfasst - 95 an der Zahl. Auch in diesem Film werden die Kriegstoten heroisiert und nicht hinterfragt, was diese Opfer eigentlich mit dem eigenen Volk zu tun haben. Wir konnten 14 Namen in unsere Datenbank nachtragen.

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