Foil Kurbakowitsch Kindjew

Mit großem Bahnhof verabschieden Angehörige und Militär den Gefreiten Foil Kurbakowitsch Kindjew in der Stadt Janaul in Baschkortostan. "Er hätte sein Leben gegeben, um Russland vor dem Nationalsozialismus zu schützen. Ewige Erinnerung und ewige Herrlichkeit", heißt es in seinem Nachruf. Große Worte, die gar nicht dazu passen, wie mit dem Leben dieses Mannes umgegangen wurde.

Wagner Astrachan

Die Mutter eines der getöteten Söldner schreibt: "In Astrachan wurden Banner mit gefallenen Soldaten des Wagner PMC angebracht. Mein Sohn ist auch da. Wir sammelten Fotos, druckten Banner und die Stadt gab uns die Erlaubnis."

Badma Sergejewitsch MandschijewDer Soldat auf dem Foto ist Badma Sergejewitsch Mandschijew. Er stammt aus Elista, der Hauptstadt Kalmückiens,  und war 38 Jahre alt. Das ist im Prinzip alles was wir über ihn wissen. Sein Vater veröffentlichte jetzt über verschiedene sozialen Medien einen offenen Brief. Darin beschuldigt er den Kommandanten, dass dieser seinen Sohn ohne Grund erschossen hätte. Und er warf den Militärbehörden vor, die Ermittlungen im Sande verlaufen zu lassen.

Der Umgang beim russischen Militär ist rau und menschenverachtend, wir dokumentieren das ständig. Deshalb ist der geschilderte Fall mehr als möglich, überprüfen können wir das nicht. Wir dokumentieren den offenen Brief des Vaters:

Nutepelmenl

Roman RachthynDas Dorf Nutepelmen liegt in Tschukotka an der nordöstlichen Küste der Tschuktschen-Halbinsel. In der Sommerhälfte kann man das Dorf mit einem Schiff oder Hubschrauber von Wankarem aus erreichen. Im Winter gibt es eine fast 200 km lange Eispiste bis zur nächsten Straße. Das Dorf verfügt über einen Grundschul-Kindergarten, ein Freizeit- und Volkskunstzentrum, eine Bibliothek, ein Postamt, ein Kommunikationszentrum, ein Badehaus und ein Geschäft. Die Stromversorgung des Dorfes erfolgt über einen Dieselmotor. Wasser für den kommunalen Bedarf wird aus einem 2 km von der Siedlung entfernten See in Fässern mit Traktorschleppern geliefert , im Sommer wird eine provisorische Wasserleitung installiert. 133 Einwohner hatte das Dorf im Jahr 2021, einer ist aktuell im Ukrainekrieg gefallen.

Roman Rachthyn, am 12.01.1987 geboren, stammt aus dem Dorf und war Sanitäter bei der Pazifikflotte. Am 23. Januar wurde er auch in die Ukraine geschickt. Als medizinischer Ausbilder für die medizinische Abteilung eines Sanitätszuges sollte er tätig sein, aber offensichtlich musste er auch mit der Waffe an die Front. Er wurde bei einem Kampfeinsatz getötet.

Seine Mutter lebt noch in Nutepelmen, Frau und drei Kinder in der Region Primorje.

Aspekte BaschkortostanIm Jahr 2024 hat die Republik Baschkortostan die traurige Spitze in unserer Statistik erobert, in keiner Region Russlands gab es mehr gefallene Soldaten. Die Kriegstoten kommen selten aus der reichen Millionenstadt Ufa, sondern aus den vielen kleinen Flecken vom Land, häufig ohne geteerte Straßen, Kanalisation und Gasversorgung.

Die Todesmeldungen von dort häufen sich weiter, erschreckend ist die kurze Vertragsdauer bei einigen der Soldaten. Wenige Wochen nach der Vertragsunterzeichnung mit dem russischen Militär sind sie schon tot.

Wir dokumentieren die Meldung vom 05. April 2024 des Telegram-Kanals "Aspekte - Baschkortostan".

Inguschetien ist eine Unruheprovinz im Kaukasus. Anfang März kam es zu einer Schießerei zwischen Inguschen und russischen Sicherheitskräften, die einen Tag lang dauerten. Sechs angebliche ISIS-Mitglieder wurden getötet. Im April letzten Jahres  kündigte das Komitee für Inguschische Unabhängigkeit (KIN)  die Schaffung einer Armee an, da „die Notwendigkeit besteht, sich auf den bevorstehenden Zusammenbruch der Russischen Föderation vorzubereiten“, der laut Komiteevertretern „zu einer Konfrontation innerhalb der Russischen Föderation zwischen Russische Eliten, alle Arten von PMCs und Banden führen wird“.“

Vorerst sterben aber noch Inguschen für Russland im Krieg gegen die Ukraine. Der Soldat Beslan Murzabekow  wurde in Inguschetien beigesetzt.

Mari El

Das Denkmal befindet sich im "Siegespark" des Dorfes Morki, Bezirk Morkinsky, in der russischen Teilrepublik Mari El. Das Dorf hat knapp 9.000 Einwohner, fallende Tendenz. Der Zeitpunkt der Objekterstellung ist der 1. Juli 2022. Der Text der Inschrift lautet „Wir haben unsere Ehre nicht verloren, wir haben unser Wort gehalten …“ und auch die Namen der getöteten Soldaten sind eingraviert.

Die Links nach den folgenden Namen führen zu den Originalinformationen in russischer Sprache. Mit den Übersetzern von Google oder DeepL kann man sich die Texte in deutscher Sprache anzeigen lassen.

Taschtyp

Dorf Taschtyp -- Foto: Annenkoan -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Taschtyp, der Ort auf dem Foto,  ist ein Dorf in Chakassien mit etwas über 6.000 Einwohnern. Im Hintergrund sind die westlichen Ausläufer des Westsajan-Gebirges zu sehen. Der abgelegene Ort liegt an einer Regionalstraße, die man im Vordergrund sieht. Der nächste Bahnhof ist 32 km entfernt.

Aus Taschtyp kam Nikolai Sulberekow, der meinte, auch im Krieg gegen die Ukraine dabei sein zu müssen.

Vankarem 2 2013 07 26

Dorf Wankarem, Tschukotka -- Urheber:  Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Dorf Wankarem liegt am äußersten nord-östlichen Rand des Autonomen Kreises der Tschuktschen (Tschukotka). Das Dorf liegt völlig isoliert, es gibt keine Straße dorthin - aber immerhin hat der Flecken einen kleinen Flugplatz. Die Bevölkerung besteht aus Tschuktschen und sibirischen Eskimos. Aber es sind nicht mehr viele da. Im Jahr 2010 zählte man noch 210 Bewohner, sechs Jahre später lebten dort 166 Menschen. Jetzt ist es wieder einer weniger:

Debin Kolyma

Der Kolyma bei Debin (ca. 500 Einw.) --  Foto: Oxonhutch -- Lizenz: CC BY 2.5

Der Kolyma ist ein etwa 2.500 km langer Fluss, der durch den Oblast Magadan und Sacha (Jakutien) fließt. Auf etwa 2.000 km ist der Fluss ein halbes Jahr über den Sommer hinweg mit einem Schiff befahrbar. Er ist folglich ein wichtiger Transportweg für die beiden Regionen im äußersten Nordosten Russlands.

Die Leute von Magadan sprechen von sich auch als Kolyma-Bewohner. Insgesamt leben dort etwa 136.000, Tendenz abnehmend. Das zur Erläuterung des folgenden Textes. Denn auch dort stapeln sich die Todesmeldungen aus der fernen Ukraine. Wir geben eine beispielhafte Nachricht des Telegram-Kanals "Ganz Magadan" im übersetzten Original wieder:

Konstantin TschirkinEtwa 100 km südlich von Moskau entfernt liegt die Stadt Kaschira mit rund 45.000 Einwohnern, eine der ältesten Städte der Region. Zur russischen Hauptstadt gibt es eine Nahverkehrsverbindung. In der jüngsten Geschichte der Stadt war Kaschira die letzte Station der Gruppe Wagner auf ihrem Feldzug Richtung Moskau - dort endete ihr Vormarsch. Und als Söldner der Gruppe Wagner endete auch das Leben der Hauptperson unserer Erzählung.

Aus Kaschira kam  Konstantin Tschirkin (Foto links). Der junge Mann wurde am 2. Februar 1999 dort geboren und entwickelte sich als hoffnungsvoller Spross seiner Familie. Er war ein guter Sportler, spielte Fußball und Volleyball und machte auch auf dem Skateboard eine gute Figur. Er besuchte eine Musikschule, kochte gerne und interessierte sich für Kunst.

Eine Nachbarin beschreibt Konstantin als einen jungen Mann mit der gütigsten Seele und einem sehr sensiblen Herzen. Er wäre derjenige, der sich für alle einsetzt und sogar einem kleinen obdachlosen Kätzchen hilft.

Aber Konstantin hatte auch weitergehende Interessen, die sich hauptsächlich um das schnelle Geldverdienen drehten. Zusammen mit einer Gang aus Jugendlichen aus den Vororten von Moskau entwickelte er einen Plan, wie man aus der in Russland weit verbreiteten Abneigung gegenüber Schwulen Kapital schlagen könnte.

Feyrudin Fakhrudinowitsch SchidjewUnser freundlicher Herr Lezgin ist eigentlich ein Gauner der besonderen Art und heißt mit bürgerlichen Namen Feyrudin Fakhrudinowitsch Schidjew. Er wurde 1992 in Wolgograd geboren, seine Familie zog später zurück nach Dagestan.

Über seine zahlreichen Vorstrafen wissen wir nichts Näheres, dafür mehr über seinen letzten Coup. Er baute einen Eisenzaun für einen Speditionsunternehmer, wohnte in dieser Zeit in dessen Geschäftshaus und machte sich dort nützlich. Per Zufall (oder auch nicht) entdeckte er die Schlüssel zum Tresor des Unternehmens, versteckt in Turnschuhen.

Mit jetzt 320 Tausend Rubel in der Tasche machte sich unser Held aus dem Staub. Von Dagestan ging es nach Moskau, dann nach St. Petersburg bis das Geld ausgegeben war und unser freundlicher Herr Lezgin verhaftet wurde. Ein Gericht in Dagestan verurteilte ihne zu 2,5 Jahren strenger Lagerhaft.

Ab diesem Zeitpunkt begann die zweite Karriere von Herrn Lezgin, die ein Journalist aus Samara zusammenfasste:

Go to top