30.06.2026 -- 218.524// Zuwachs zum 31.05.2026: 4.838
All die von uns öffentlich gemachten Meldungen über die gefallenen russischen Soldaten haben einen Nachteil. Wir übernehmen ungeprüft die Meldungen lokaler Medien oder sozialer Netzwerke. Etwas anderes wäre auch niemals möglich. Leider haben viele dieser Meldungen einen Haken - über die Toten wird nur Gutes berichtet. Und deshalb manchmal auch gelogen, dass sich die Balken biegen. So auch im Falle unseres Helden aus Transbaikalien.
Jewgeni Alexandrowitsch Pichujew wurde am 28. August 1988 im Dorf Kholbon in Transbaikalien geboren. Als Söldner der Gruppe Wagner ist er im Februar 23 beim Kampf um die Stadt Bakhmut gefallen. In der Sekundarschule seines Dorfes wurde am 25. September ein sogenannter Heldenschreibtisch zu seinen Ehren eingerichtet und der Mann in höchsten Tönen gelobt. Tatsächlich war Jewgeni aber ein Mörder und Räuber.
Die Ewenen sind ein kleines indigenes Volk, das im Nord-Osten Russlands siedelt. Sie sind Rentierzüchter, ziehen mit ihren Herden von Ort zu Ort oder leben in postsowjetischen Staatsgütern, wo sie ihrer traditionellen Lebensweise folgen können. In Russland gibt es nur noch wenige Ewenen. Der folgende Text nennt 21.000, Wikipedia meint 12.000. Da ist die Trauer groß, wenn ein junger Ewene vom Krieg gegen die Ukraine tot nach Hause gebracht wird. So wie der 30-jährige Andrei Buldykin (Foto).
Deshalb veröffentlichen wir einen Text aus einer Internetseite aus Jakutien (Sacha), der die Geschichte der Familie des jungen Ewen erzählt:
Weiterlesen: Die Ewenen aus Jakutien beklagen einen Kriegstoten
Diese russischen Gerichtsprotokolle sind schwer zu lesen. Aber wenn der Autor alles richtig verstanden hat, dann hat Maxim Anatolyevich Ivanov (Foto links) aus der Region Tscheljabinsk im Ural Anfang 2019 zunächst seiner ehemaligen Ehefrau gedroht, sie zu töten und ihre Leiche in einem Steinbruch zu versenken. Auch hat er ein teures Smartphone ihr entrissen und ist auf ihm herumgetrampelt. Und schließlich hat er sie dann noch verprügelt und gewürgt, dass beinahe ihr Genick gebrochen wäre.
Weil er der Ansicht war, dass seine Ex-Schwiegermutter an allem schuld war, hat er diese dann mit einer 9mm-Pistole erschossen. Für all seine kleinen und großen Sünden bekam er vom Gericht eine Gesamtstrafe von 18,5 Jahren aufgebrummt.
Ende März 23 erschien in der lokalen VKontakte-Seite eine Nachricht, dass Maxim Anatolyevich Ivanov jetzt als Held im Ukrainekrieg gefallen wäre: " Maxim ist ein Mann mit einem reinen, gütigen Herzen und einer großen Seele. Zweimal wurde er mit der Medaille „For Courage“ ausgezeichnet. Beileid an die Familie des Verstorbenen. Ewige Erinnerung an den Helden Russlands ."
Weiterlesen: Ein reines, gütiges Herz und eine großen Seele auf Abwegen
Das städtische Waisenhaus in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk im Ural veranstaltete eine Gedenkveranstaltung für einen ihrer Zöglinge: Fedor Fedorovich Belobrov (Foto) ist im Ukrainekrieg getötet worden. Und ist damit einer der auffällig vielen Waisen, die an der Front gefallen sind.
Aber statt diese Problematik aufzugreifen, singt das Waisenhaus das verlogene Lied: „Süß und ehrenvoll ist's, für’s Vaterland zu sterben." und macht aus dem Opfer, dem gefallenen Soldaten, ein Vorbild für die anderen jungen Menschen, die im Waisenhaus aufwachsen.
Mark Nartsev war ein adretter junger Mann aus Wolgograd, der sich 2017 in eine junge Frau verliebt hatte. Pech für ihn war, dass jene Frau bereits einen Freund hatte - einen 23-jährigen Geheimdienstoffizier.
Um den Kontrahenten los zu werden, stellte er mit zwei jungen Helfern dem Mann eine Falle. Sie verprügelten ihn, ein Schlag mit einem Ziegelstein beendete sein Leben.
Weiterlesen: Wie der Ukrainekrieg wieder alte Verbrechen aktuell macht
Wie einfache Menschen aus unterentwickelten Regionen Russlands für den Krieg im Donbass mißbraucht werden, dokumentiert das folgende Video ganz gut. Man muss die Sprache dazu nicht verstehen. Es macht wütend und in diesem Fall verlinken wir nicht auf das Original - das Video spricht für sich.
Insgesamt 70 Kriegstote aus Jakutien (Sacha) haben wir bisher verzeichnet. Ein Viertel der dortigen Bevölkerung muss im Winter bei minus 40 Grad auf Holztoiletten gehen, heizt die Räumlichkeiten mit Holz und nutzt mangels fließendem Wasser das auf den Seen gehackte Eis.
Weiterlesen: Peter - auf der Suche nach der Seele seines Bruders
Alexander Vladimirovich Fet-Ogly, damals 23 Jahre alt, hat zwei Rentner in einem Dorf in der Region Krasnodar bestialisch ermordet. Am 10. Januar 2019 fand man die Leichen des 70-jährigen Vladimir Dubentsov und des 64-jährigen Nikolai Galdin. Die Köpfe der Opfer waren mit einem Stock durchbohrt, dazu hatten beide zahlreiche weitere Verletzungen. Nichts wurde gestohlen.
Als Täter wurde schnell der wegen Diebstahls vorbestrafte Sascha Fet-Ogly ermittelt, der zur Zwangsarbeit in jenem Dorf verurteilt und nach Ablauf der Strafe als Hilfsarbeiter geblieben war. Festgestelltes Motiv Homophobie.
Weiterlesen: Wo Kinder wissen, wer Schwule sind und was sie tun

Maxim Wjatscheslawowitsch Safronow wurde am 4. Julij 1995 im Dorf Nowaja Brjan in Burjatien geboren. Das Dorf hat seit den Zeiten der Perestroika fast die Hälfte seiner Einwohner verloren. Heute leben noch etwa 4.200 Menschen dort. Maxim bekam während seiner Schulzeit eine kräftige Dosis Militarismus eingeflösst: Er besuchte den militärpatriotischen Club „Kasatschok“ und absolvierte das Militärspiel „Zarnitsa“. Nach der Schule studierte Maxim Medizin und arbeitete als Anästhesist und Notfallmediziner in einem Krankenhaus in Tschita (Transbaikalien).
Im Jahr 2025 wollte Maxim endlich ordentlich verdienen und ging als Notfallmediziner im Rang eines Leutnants an die Front in der Ukraine. Eine häufige Legende der Nachrufschreiber lautet, dass der Tote heldenhaft Verwundete evakuiert hätte und dabei getötet wurde. So auch bei Maxim - eine Drohne hätte am 23. Juni 26 den Rettungswagen angegriffen und Maxim getötet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wladimir Sergejewitsch Nenartowitsch, 59 Jahre
Telegram-Kanal „Die Toten aus Sacha“ vom 28.05.2026
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Nikolai Afanassjewitsch Atlasow (Rufname „Odun“), 35 Jahre alt
Status: Verstorben Geburtsdatum: 29. Oktober 1989
Sterbedatum: 28. März 2025
Geburtsort: Rajon Changalasski, Dorf Katschikatsy
Sterbeort: Region Donezk, Siedlung Jelisawetowka
Dienstverhältnis: Vertragsdienst (ab 30. November 2024)
Kinder (Anzahl): Unbekannt
Ziviler Beruf: Abfüllung und Lieferservice für reines Trinkwasser
„Die Toten aus Sacha“ vom 5.5.26
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.