31.05.2026 -- 213.686// Zuwachs zum 30.04.2026: 7.376
Das Foto der betagten Mutter eines gefallenen russischen Soldaten hat uns veranlasst, diesen kurzen Bericht zu veröffentlichen.
Wir befinden uns im abgelegenen Dorf Gluchowka mit weniger als tausend Bewohnern in der Region Belgorod. Das Dorf besitzt eine Sekundarschule, die Mitte Februar 2025 einen „Heldenschreibtisch" für den ehemaligen Schüler Jurij Iwanowitsch Klischin (07.11.1974 - 17.06.2024) einweihte. Jene Heldenschreibtische stellen eine landesweite Aktion der Partei „Einiges Russland" dar, zum Gedenken an die vielen getöteten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine.
Wie in allen, ziemlich gleichgeschalteten Veranstaltungen werden die Kriegstoten zu Helden überhöht, den Schulkindern wird Soldatentum und das Sterben im Krieg als höchste patriotische Aufgabe vermittelt. Hier in der Schule wurde extra eine Soldatenecke mit Munitionskisten und Tarnnetzen aufgebaut.
Wir geben den Text der Schule im übersetzten Original wieder:
Wenn man mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau aus nach Osten fährt, dann zweigt ein Schienenstrang in die Volksrepublik China ab. An diesem Zweig in der russischen Region Transbaikalien liegt am Streckenkilometer 6.371 die Ortschaft Mogoitui mit rund 10.000 Einwohnern. Mogoitui ist eines der burjatischen Kulturzentren der Region. Etwas südöstlich davon liegt das Dorf Tsagan-Chelutaj mit rund 1.000 Bewohnern.
Das Dorf hat zwei russische Helden vorzuweisen. Der erste war Fähnrich Andrei Wladimirowitsch Dneprovski ( 06.05.1971 - 21.03.1995), der allerdings nur zwei Jahre im Dorf lebte und im ersten Tschetschenienkrieg getötet wurde, nachdem er "sagenhafte" Heldentaten vollbracht hatte. Immerhin kam sein Foto auf eine Briefmarke (Bild links).
Der zweite Held ist allerdings eher ein Opfer - ein Opfer jener militärisch-patriotischen Erziehung vom Kindergarten an bis zur Berufsschule. Maxim Sergejewitsch Basenko ist im Dorf aufgewachsen und ging dort zur Schule. Er wurde keine 19 Jahre alt.
Wladimir Wladimirowitsch Gamota, geboren am 27. Februar 1996, Rufname „Raptor (Räuber)“, lebte in der baschkirischen Großstadt Salawat. Beruflich war er Lagerleiter, verheiratet, zwei Kinder. Er wäre der perfekte Ehemann gewesen, berichtete seine Frau der Presse:
Er konnte einfach alles: reparieren, renovieren, die Wohnung putzen, Zeit mit den Kindern verbringen, kochen. Sein Lieblingsgericht war Schaschlik. Niemand konnte ihm das Wasser reichen
Doch ein ruhiges, friedliches Leben war wohl nicht die Sache von Wladimir. Von einem Tag auf den anderen entschloss er sich, einen Militärvertrag zu unterschreiben und in den Krieg gegen die Ukraine zu ziehen.
Es kam eine traurige Nachricht. Ohne Details. Auf diesem Foto bin ich der Einzige, der noch lebt...
Sergej Astachow, St. Petersburg (Link)
Dorf Tayturka
Die Arbeitersiedlung Tayturka liegt an der Transsibirischen Eisenbahn, 75 km vor der Regionalhauptstadt Irkutsk. Die Siedlung hat rund 5.000 Bewohner und liegt nahe an zwei großen Militärstützpunkten.
Auch in dieser Siedlung wird heftig um Freiwillige für den Krieg in der Ukraine geworben. Der Text der Anzeige in den Siedlungsnachrichten verspricht:
Wie die Realität dann aussieht, zeigt das Schicksal der Brüder Losew aus der Siedlung, die sich freiwillig gemeldet hatten.
Dorf Chongurey im Autonomen Kreis der Nenzen -- Foto: Iźva Komi Dokumentationsprojekt (Niko Partanen) -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ganz im Nordosten des europäischen Teil von Russland liegt der Autonome Kreis der Nenzen. Der Kreis ist etwa 2,5 mal so groß wie das deutsche Bundesland Bayern, dort leben nur etwa 42.000 Menschen - die meisten in der Hauptstadt Narjan-Mar. Die Namensgeber der Region sind die Nenzen, die gerade noch 16% der Bevölkerung stellen.
Andrej Ruschniko ist Abgeordneter im Parlament der Region und hat die „ehrenvolle" Aufgabe, den im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner zu gedenken. Drei Beispiele seiner salbungsvollen Worte wollen wir dokumentieren:
Es ist 13:00 h am 10. Oktober 2025 - wir befinden uns bei einer Beisetzung auf dem Friedhof der Kleinstadt Melenki in der russischen Oblast Wladimir. Die Stadt liegt etwa 150 km südöstlich der Hauptstadt Wladimir und hat auch schon bessere Tage gesehen. In Zeiten der Perestroika hatte Meleniki noch über 18.000 Einwohner, im Jahr 2021 zählte man noch 13.400 Bewohner.
Begraben wird mit militärischen Ehren der Soldat Rustam Raufowitsch Potapow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde.
Mit der militärisch-patriotischen Indoktrination kann man nie zu früh beginnen, wie des Beispiel des Kindergartens Nr. 11 in der russischen Großstadt Kursk zeigt. Der älteste Kindergarten-Jahrgang ist Anfang September zu Besuch bei einer Kadettenschule der Stadt, um die Kinder auf ihren späteren schulischen Weg vorzubereiten.

Das Dorf Swatai im Srednekolymski ulus
Wir befinden uns heute im Srednekolymski ulus, einem Landkreis im Nordosten der russischen Teilrepublik Sacha(Jakutien). Der Kreis grenzt im Osten an den Autonomen Kreis der Tschuktschen und an die Oblast Magadan. Die Fläche des Landkreises ist noch größer als die drei deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen. Auf dieser riesigen Fläche leben gerade mal 6.700 Menschen.
Sergej Innokentjewitsch Kolesow und Askalon Sergejewitsch Kolesow waren Vater und Sohn, beide sind im Krieg gegen die Ukraine gefallen. Sie kommen aus dem Dorf Swatai, was übersetzt Heiratsvermittler heißt. Das Dorf mit rund 500 Bewohnern, meist Jakuten, ist vom Verwaltungszentrum Srednekolymsk etwa 100 km Luftlinie entfernt und nur über eine Winterstraße oder per Flugzeug zu erreichen.
Hispaniola-Kämpfer mit Gründer Stanislaw Orlow in der Mitte
Die russische Freiwilligeneinheit „Hispaniola“ gab ihre Auflösung auf ihrem Telegram-Kanal bekannt. „Hispaniola“ war der Kampfname des Gründers Stanislaw Orlow, der sich im Jahr 2014 den angeblichen Separatisten im Donbass angeschlossen hatte. Die Einheit setzte sich zum überwiegenden Teil aus Fußball-Hooligans der großen russischen Vereine ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg zusammen. Die Söldnertruppe war ein bunter Tupfer in der grauen Masse der russischen Truppen, allerdings mit kackbrauner Ausrichtung. Hier kämpften - zumindest teilweise - echte Nazis gegen die angeblichen Nazis der Ukraine.
Zudem gilt zu erwähnen, jene Hooliganeinheit ist nur ein minimales Segment im russischen Militär, ihre Auflösung bedeutet für das Kampfgeschehen nichts. Sie spiegelt aber durchaus das Bewusstsein eines bestimmten Teils der russischen Jugend wieder.
Weiterlesen: Russische Hooligan-Einheit „Hispaniola“ aufgelöst
Die Geschichte von Eduard fängt an, wie so viele unserer Geschichten. Eduard Midechatowitsch Salimow wurde am 30.06.1981 in einem Dorf mit gerade 100 Bewohnern im Bezirk Kareidel in Baschkortostan geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter, Eduard kam in ein Waisenhaus und blieb dort bis zur Volljährigkeit.
Er erlernte den Beruf eines Elektrikers und Fahrers und teilte danach das Schicksal vieler Waisen ohne Beziehungen: Er arbeitete mal hier und mal weiter weg im Norden, blieb aber ohne feste Anstellung.
Eduard heiratete eine Frau mit usbekischen Wurzeln, zog in das große Dorf Buraewo in Baschkortostan und bekam drei Kinder. Am 8. Oktober 2024 unterzeichnete er freiwillig einen Vertrag zum Kriegsdienst.

Dorf Ust-Mil -- Aus dem Panoramio- Archiv . Das Urheberrecht der Fotos liegt bei den jeweiligen Eigentümern.
Ganz im Osten der russischen Teilrepublik Jakutien (Sacha) liegt der Ust-Maisky Ulus, wobei Ulus der Begriff für Bezirk ist. In diesem Ulus leben etwas über 7.000 Menschen, aber er hat eine Fläche von rund 95.000 km², das ist mehr als die Fläche der deutschen Bundesländer Bayern und Hessen zusammen. Und es ist kalt im Ust-Maisky Ulus, der Bezirk liegt nur etwa 200 km vom Kältepol der nördlichen Hemisphäre entfernt. Im Bezirk liegt auch das Dorf Ust-Mil mit zuletzt 190 Bewohnern. In diesem abgelegenen Dorf lebte Alexander Richter.

Nikolai Wassiljewitsch Senko wurde am 30.03.1979 in Ulan-Ude geboren. Nach der Schule wollte er Schauspieler werden und schloss die Schule für Kunst & Kultur ab. Doch dann kam der Wehrdienst und danach orietierte sich Nikolai neu - er wurde Polizist. Im Jahr 2018 ging er im Rang eines Polizeimajors in den Ruhestand. Doch auch ihn lockte das viele Geld im Kriegsdienst. Als einfacher Soldat meldete er sich im November 2023 freiwillig und überlebte immerhin eineinhalb Jahre. Im März 2025 war auch sein Leben beendet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
17.04.2026
Sergej Jewgenjewitsch Jaschow, 32 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 03.08.1993
Todesdatum: 17.12.2025 (Beerdigung: 16.04.2026 in Ussuriysk)
Geburtsort: Olekminsk, Olekminsker Ulus
Todesort: Sewersk, Lugansk-Region
Dienstart: Vertragsdienst seit November 2025
Dienstort: Maschinengewehrschütze, 123. Motosturmbrigade
Kinder: 2
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare: