31.05.2026 -- 213.686// Zuwachs zum 30.04.2026: 7.376

Russlands Krieg gegen die Ukraine mit den vielen toten russischen Soldaten muss der eigenen Bevölkerung vermittelt werden. Ein gutes Beispiel dafür kommt aus südlichen Region Stawropol, das wir hier vorstellen wollen. In einem Video geht es um die gefallenen Kosaken der Region, insgesamt zeigt der Film 56 im Krieg gefallene Soldaten mit wenigen persönlichen Daten.

Dorf Watschi -- Foto: Davdiev Rafael R -- Lizenz: CC BY-SA 2.0
In den Regionen des Kaukasus leben etwa 50 unterschiedliche Völker mit eigener Kultur, Sprache und Religion. Heute wollen wir den Kulinsky Bezirk in der russischen Teilrepublik Dagestan vorstellen, in dem fast alle Bewohner zum Volk der Laken gehören. Etwa 160.000 Menschen in Dagestan bezeichnen sich als Laken, sie haben eine eigene Sprache und sind vorwiegend Muslime. Im Kulinsky Bezirk leben rund 11.000 Menschen, Zentrum des Bezirks ist das Dorf Watschi mit etwa 1.500 Bewohnern. Watschi ist etwa 100 km Luftlinie von der Republikhauptstadt Machatschkala entfernt.
Eine Redakteurin einer lokalen Zeitung hat ein Video zusammengestellt, das die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Laken zusammenfasst - 95 an der Zahl. Auch in diesem Film werden die Kriegstoten heroisiert und nicht hinterfragt, was diese Opfer eigentlich mit dem eigenen Volk zu tun haben. Wir konnten 14 Namen in unsere Datenbank nachtragen.
Weiterlesen: Im Krieg gegen die Ukraine getötete Laken aus Dagestan

Guido Huber kommt aus Lübben in der Niederlausitz. Er vermisste seine alte DDR und hat sie in der Region Jamal in Russland wiedergefunden - vor einem Jahr wanderte er aus. In der Sprache der Ureinwohner bedeutet das Wort "Jamal" so viel wie das Ende der Welt.
Aber Guido wollte nicht im hohen Norden Russlands frieren, er hat sich als Söldner für den Krieg in der Ukraine gemeldet, eine Tatasche, die die russischen Propaganda-Kanäle jetzt ausschlachten. Das folgende Video mit Guido wurde am 6. August 25 aufgenommen:
„Masken-Schau“ am Tag des Gedenkens an die Opfer des Großen Terrors in Sandarmoch

Menschen in Schwarz umzingelten eine Frau, die zu einer Gedenkveranstaltung in Sandarmoch gekommen war
Nationalisten der „Russischen Gemeinschaft“ und andere Provokateure versuchten, die Verlesung der Namen der 1937–1938 in Karelien erschossenen Menschen zu stören. Die Gedenkfeier fand am 5. August, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Großen Terrors, auf dem Gedenkfriedhof Sandarmoch in der Nähe der karelischen Stadt Medweschjegorsk statt, wo mehr als sechstausend Menschen begraben sind.
Weiterlesen: Sandarmoch -- Teil II: „Wem und wozu dient das alles auf den Gräbern?“
Ein Schüler aus Dagestan unterschrieb unter Folter einen Vertrag und verschwand im Krieg
Der 18-jährige Schüler Said Murtasaliew aus Dagestan fuhr im Januar 2025 in die Winterferien nach Moskau, wo er zusammen mit Freunden von der Polizei festgenommen wurde. Unter Androhung der Verhaftung wegen eines angeblich von ihnen begangenen Verbrechens wurde Said gezwungen, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zu unterschreiben. Nach Angaben seiner Mutter wurde der Schüler nicht nur bedroht, sondern auch gefoltert – man übergoss ihn mit eiskaltem Wasser, setzte ihm eine Gasmaske auf und schlug ihn.
Zuletzt gelang es Said im März, seine Familie anzurufen – seitdem erhält seine Mutter vom Militär keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.
Berg Elbrus -- Foto: JukoFF -- Lizenz: Frei
In der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien wohnen rund 900.000 Menschen. Etwa 70% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, der Anteil der russischstämmigen Bevölkerung nimmt stetig ab und lag im Jahr 2020 bei knapp 20 Prozent. Im Krieg gegen die Ukraine sind die Bewohner extrem zurückhaltend, die Republik liegt in unserer Statistik der Kriegstoten in Abhängigkeit von der Bevölkerung auf den ganz hinteren Plätzen.
Es ist Anfang Mai im Bezirk Elbrus und im Dorf Kendelen mit rund 7.000 Bewohnern findet eine Gedenkveranstaltung statt. Eine Delegation des Motorradclubs "Nachtwölfe" ist extra gekommen, um eine Tafel für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner einzuweihen. Wir geben den Bericht der Bezirksverwaltung im übersetzten Original wieder. Von den elf veröffentlichten Namen waren uns acht unbekannt.
Weiterlesen: Einweihung einer Gedenktafel im Bezirk Elbrus zusammen mit den "Nachtwölfen"

Ein Telegram-Kanal der Marineinfanteristen von Sewastopol auf der Krim veröffentlicht hin und wieder Meldungen von gefallenen Soldaten der Marine. Aktuell wurde ein Video veröffentlicht, das 100 im Krieg gegen die Ukraine getöteten Marinesoldaten vorstellt, die aus der Region Wolgograd kommen. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Videos enthält dieses etwas mehr Informationen über die gefallenen Soldaten. Wir konnten 38 neue Namen in unsere Datenbank eintragen.
Weiterlesen: Gefallene Marinesoldaten aus der Oblast Wolgograd
Jurij Maximowitsch Witsinets -- Danijar Baktiarowitsch Kereibajew -- Denis Alexandrowitsch Moschaitsew
Soldaten im Wehrdienst wurden durch Täuschung und Drohungen dazu gezwungen, einen Vertrag zu unterschreiben
Drei Russen, Soldaten im Wehrdienst im Alter von 18 bis 19 Jahren, haben das obige Video aufgenommen, in dem sie berichten, dass sie durch Täuschung dazu gezwungen wurden, unbefristete Verträge in Burjatien zu unterschreiben. Nachdem sie in der 37. separaten motorisierten Schützenbrigade der Militäreinheit 69647 in der Stadt Kjachta angekommen waren, begann der Zugführer, die Wehrpflichtigen mit der Versetzung an die Front und faktisch mit dem Tod zu bedrohen.
Die Angehörigen aller drei Soldaten berichteten, dass ihnen wegen ihrer Weigerung, den Vertrag zu unterschreiben, damit gedroht wurde, sie in die Region Kursk zu bringen und „auszulöschen“.
Zentrum von Pokrowsk vor der russischen Zerstörung -- Foto: MOs810 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Pokrowsk ist eine Stadt in der Region Donezk, um die zur Zeit heftig gekämpft wird. Die Stadt hatte ursprünglich mal 60.000 Einwohner, fast alle Bewohner haben inzwischen die Ruinen der Stadt verlassen. Die Situation für die ukrainischen Verteidiger hat sich angeblich in letzter Zeit verschlechtert, die russische Propaganda berichtet täglich von neuen Geländegewinnen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Der russische Kanal ZOW Insider, der aktuelle Verlustlisten der russischen Soldaten erstellt, hat am 23. Juli einen wütenden Bericht veröffentlicht, den wir hier übersetzt dokumentieren:
Wir sind wieder im "Autonomen Kreis der Tschuktschen" - kurz Tschukotka - im fernen Nordosten Russlands. Der Gemeindebezirk Anadyr ist die größte Untereinheit in Tschukotka mit einer Fläche etwa vier mal so groß wie Bayern. In dieser riesigen Fläche gibt es gerade mal 12 Gemeinden mit rund 8.800 Bewohnern. Und wahrscheinlich ist auch diese Zahl übertrieben, da die Einwohner häufig ganz woanders in Russland arbeiten und leben und nur noch pro forma in den kleinen Dörfern gemeldet sind. Die Hauptstadt Tschukotkas, Anadyr, gehört nicht zum Gemeidebezirk.
Der Bezirk hat ein viel zu langes Video mit den 43 im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Bewohner veröffentlicht. Wir veröffentlichen die Screenshots über die einzelnen Gefallenen zusammen mit dem übersetzten Text. In der Summe ergibt das einen guten Überblick über die Männer, die in den weit entfernten Krieg gezogen sind und dessen Ursache sie wohl nicht begriffen haben. Die einzeln beschriebenen Heldentaten werden irgendwann in der Reihe "Grimms Märchen" gesammelt veröffentlicht.
Weiterlesen: Die Gefallenen aus dem Bezirk Anadyr - Tschukotka
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Emil Arturowitsch Renk (Ренк Эмиль Артурович) lebte in Syktywkar, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Komi. Emil wurde 24.12.1989 geboren. Trotz zweier VKontakte-Seiten und einer weiteren bei Odnoklassniki ist privat wenig bekannt, allerdings lässt sich entfernt auf eine russlanddeutsche Herkunft schließen. Emil arbeitete im Schichtdienst, meldete sich im Oktober 2023 freiwillig und wurde am 14. Mai 2025 getötet. |
Jewgeni Alexandrowitsch Zimmermann (Цимерман Евгений Александрович), geboren am 18.12.1982, lebte in Murmansk. Keine russlanddeutsche Herkunft feststellbar. Dafür war Jewgeni Stammgast bei der Murmansker Gerichtsbarkeit. Neun Zivilverfahren, vier Bußgelder und ein Strafverfahren wurden registriert. Zudem war er bei zwei weiteren Strafverfahren beteiligt. |
Das ist Erich Frei (Фрай Евгений Витальевич), der auf dem Foto die russische Flagge schwenkt. Erich ist ein Russlanddeutscher, der allerdings ziemliche familiäre Probleme hatte. "Seine Kindheit könne man kaum als wolkenlos bezeichnen", heißt es wolkig im Nachruf. Erich, geboren am 02.09.2002, ging in Omsk zur Schule, sein weiterer Lebensweg bleibt im Nebel. Am 5. September 2024 zog er in den Krieg, bereits am 26. Oktober war er tot. |
Weiterlesen: Deutsche Namen unter den russischen Kriegstoten im Juni 25
Die russischen Behörden weigern sich, freigelassene Gefangene nach Hause zurückzuschicken

Nach einem der größten Gefangenenaustausche im Mai 2025 – 1000 gegen 1000 Soldaten – berichten die Angehörigen der zurückgekehrten Soldaten, dass ihre Ehemänner, Brüder und Söhne nicht einmal für einen Tag nach Hause zurückgebracht wurden. Sie wurden zurück an die Front gebracht, darunter auch Schwerverletzte.
Weiterlesen: Ich bin wegen des Geldes gegangen, ich will nicht mehr

Nikolai Wassiljewitsch Senko wurde am 30.03.1979 in Ulan-Ude geboren. Nach der Schule wollte er Schauspieler werden und schloss die Schule für Kunst & Kultur ab. Doch dann kam der Wehrdienst und danach orietierte sich Nikolai neu - er wurde Polizist. Im Jahr 2018 ging er im Rang eines Polizeimajors in den Ruhestand. Doch auch ihn lockte das viele Geld im Kriegsdienst. Als einfacher Soldat meldete er sich im November 2023 freiwillig und überlebte immerhin eineinhalb Jahre. Im März 2025 war auch sein Leben beendet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
17.04.2026
Sergej Jewgenjewitsch Jaschow, 32 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 03.08.1993
Todesdatum: 17.12.2025 (Beerdigung: 16.04.2026 in Ussuriysk)
Geburtsort: Olekminsk, Olekminsker Ulus
Todesort: Sewersk, Lugansk-Region
Dienstart: Vertragsdienst seit November 2025
Dienstort: Maschinengewehrschütze, 123. Motosturmbrigade
Kinder: 2
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare: