30.09.2026 -- 241.171// Zuwachs zum 31.08.2026: 11.032
Das Dorf Ilirrnei in Tschukotka -- Foto: AlGaman -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wieder berichten wir aus dem Autonomen Kreis der Tschuktschen, heute aus dem kleinen Dorf Ilirnei mit 188 Bewohnern im Landesinneren von Tschukotka. Im Dorf leben hauptsächlich Tschuktschen, die Rentierzucht und Fischerei betreiben.
Ilrnei ist schwer zu erreichen. Der nächste Ort ist Bilibino, das über eine 150 km lange Winterstraße verbunden ist. Ansonsten gibt es regelmäßige Hubschrauberflüge zu dem Dorf.
Aktuell berichtet die Presseagentur von Tschukotka, dass zwei junge Männer aus Ilirnei im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Wir geben den Bericht vom 12. Februar 25 im Original wieder. Im Verhältnis zu der Einwohnerzahl nimmt Tschukotka einen Spitzenplatz bei gefallenen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine ein.
Insgesamt konnten wir bei einer oberflächlichen Suche unter den getöteten russischen Soldaten im Januar 2025 insgesamt 51 deutsche Namen identifizieren.
Zwei russische Angreifer beobachtet von einer ukkrainischen Drohne
Neulich wurde ein weiterer mobilisierter Russe an die Front geschickt, der in die Kategorie „D“ (wehrunfähig) eingestuft worden war. Nach seiner Verwundung wurde er einer Einheit in Omsk zugeteilt, aber nach zweimonatiger Behandlung wurde er auf Krücken direkt an die Front geschickt. „Du gehst auf Krücken? So, auf Krücken und du gehst zur Infanterie!“ - zitierte Ilja Kowalenkos Frau den Kommandeur seiner Militäreinheit #90600 in einem Interview mit der Redaktion von „Fenster“.
Menschenrechtsaktivisten sagten, dass die Entsendung von Personen der Kategorie „D“ an die Front bereits vor drei Monaten - ab November 2024 - begonnen hat: Sogar diejenigen ihrer Mandanten, deren Ansprüche noch vor Gericht verhandelt würden, würden in den Krieg geschickt.
Balaschicha ist eine Großstadt an Moskaus östlicher Stadtgrenze, vom Zentrum der Hauptstadt etwa 25 km entfernt. Im Stadtteil Schelesnodoroschny gibt es ein militärisches Ausbildungs- und Taktikzentrum, an dem feierlich ein Wandgemälde eingeweiht wurde.
Das Gemälde zeigt Alexej Alexandrowitsch Repin, geboren 1987 im sibirischen Tjumen. Der Mann war seit 2005 russischer Berufssoldat, der 2014 sich in einen Donbass-Separatisten verwandelte. Alexej wurde schließlich im April 2024 in der Ukraine getötet. Posthum erhielt er einen Mutorden, den beinahe jeder gefallene russische Soldat verliehen bekommt.
Am 7. September 24 trafen sich die Schüler der „Akramowskaja Sekundarschule“ mit einem jungen Schulabsolventen. Zur Orientierung - wir befinden uns im kleinen Dorf Akromowo mit knapp 300 Einwohnern. Die Sekundarschule gehört zum Bezirk Morgauschki mit etwa 30.000 Bewohnern, der in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien liegt.
Zu Gast war der 19-jährige Jewgeni Wladimirowitsch Sokolow, hier vermummt auf dem Bild oben, der sich auf Urlaub vom Kriegsdienst befand und der zum Schulanfang von seinen Erfahrungen im Krieg gegen die Ukraine berichtete.
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Fünf russische Wehrpflichtige mussten im Juli/August 2024 ihren Wehrdienst antreten. Sie kamen zunächst nach Tschebarkul in der Region Tscheljabinsk zur Grundausbildung. Im Herbst wurde die Einheit in die Region Swerdlowsk verlegt, wo die jungen Soldaten innerhalb von zwei Wochen als Scharfschützen ausgebildet wurden. Statt zurück nach Tschebarkul wurde die gesamte Einheit in die Region Belgorod verlegt - zur Grenzsicherung.
„Zuvor wurde ihnen angeboten, einen Vertrag zu unterschreiben, ihnen wurde versprochen, dass sie dann nirgendwohin geschickt würden. Aber diejenigen, die unterschrieben hatten, mussten genau auf dieselbe Weise ins Kriegsgebiet ziehen“, sagte der Vater eines Wehrpflichtigen der Presse.
Im November 2023 beschloss Alexej Schiljajew (Foto oben), ein 39-jähriger IT-Spezialist aus Murino bei St. Petersburg, als Sanitäter der russischen Streitkräfte in den Krieg in der Ukraine zu ziehen. Im August 2024 desertierte er und floh nach Frankreich, wo er nun auf politisches Asyl wartet. Alexej behauptet, er habe nicht an den eigentlichen Kampfhandlungen teilgenommen, nicht geschossen und niemanden getötet, sondern nur seine Pflichten als Sanitäter erfüllt. Wir können seine Angaben weder bestätigen noch dementieren, da seine Aussagen derzeit von den französischen Behörden überprüft werden.
Wladimir Aleksejewitsch Rodionow, geboren am 23. Juli 2005, kam aus Tjumen und musste seinen Wehrdienst ableisten. Auch er wurde mit drastischen Maßnahmen "überredet", einen Militärvertrag abzuschließen. Zusammen mit neun anderen Soldaten wurden sie in einer Stellung von ukrainischen Drohnen angegriffen. Nach seinen Aussagen im Verhör wurden neun seiner Kameraden getötet, Wladimir hatte das Glück zu überleben und wurde gefangen genommen.
Wladimir erzählte auch davon, dass ihnen versprochen wurde, dass sie zu den Eisenbahntruppen geschickt und Straßen bauen würden. Sie würden vom Krieg nichts mitbekommen.
Wir halten das Verhör von Wladimir für authentisch und veröffentlichen es mit deutschen Untertiteln. Die Übersetzung der Untertitel ist nicht perfekt. Und nicht alles ist ganz verständlich, z.B. wenn von "Fleisch" gesprochen wird, dann sind die Soldaten gemeint, die auf selbstmörderische Angriffe geschickt werden. Und 200 bedeutet, Cargo-200, das sind die Toten vom Schlachtfeld.
Von der Insel Sachalin zum Krieg in die Ukraine ist es ein weiter Weg - etwa 6.600 km Luftlinie. Oder in etwa die Strecke von Frankfurt nach Washington DC. Jewgeni Sergejewitsch Schijanow, geboren am 26. August 2005, kam aus dem Dorf Boschniakowo, das im westlichen, mittleren Teil der Insel liegt.
Das Dorf hat schon bessere Tage gesehen und war sogar mal eine Stadt. Im Jahr 1959 lebten dort 5.500 Menschen und als die dortige Kohlenmine geschlossen wurde, wanderten die Menschen ab. Heute leben weniger als 800 Einwohner im Dorf.
Jewgeni Schijanow (Foto rechts) wurde von Kind an zum Soldatentum erzogen.
In der Schulzeit war er Mitglied der Junarmija: Die Kinder und Jugendlichen werden an die Waffensysteme der russischen Streitkräfte herangeführt, pflegen Kriegerdenkmale, bewachen Plätze mit der „Ewigen Flamme“ und paradieren bei öffentlichen Veranstaltungen.
Sterlitamak ist die zweitgrößte Stadt in Baschkortostan mit etwa 280.000 Einwohnern. Vom 19. Januar 25 wird von vier Beisetzungen gefallener Soldaten aus der Stadt berichtet.

Die Hauptstraße von Sneschnoje -- Foto: Visitnord.ru
Das Dorf Sneschnoje stirbt langsam aus. Im Jahr 2010 lebten dort noch 311 Bewohner, 13 Jahre später sind nur noch 231 Menschen übrig und wahrscheinlich noch weniger. Das Dorf wurde 1929 gegründet, um die halbnomadisch lebenden Tschuktschen fest anzusiedeln. Sneschnoje besitzt keinen festen Straßenanschluss. Es ist per Hubschrauber sowie in der eisfreien Zeit per Schiff von Anadyr über Ust-Belaja zu erreichen - Reisezeit eineinhalb Tage.
Mitte Januar berichtete die Bezirksverwaltung von Anadyr, dass ein Einwohner des Dorfes Sneschnoje während der "speziellen Militäroperation" getötet wurde.
Weiterlesen: Stanislaw aus einem Tschuktschendorf mit Namen Schnee
Bolscheochtinskoje-Friedhof -- Foto: Bogdanov-62 -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die lokalen offiziellen Stellen in Russland geben nur in seltenen Fällen Informationen über die im Krieg getöteten Soldaten aus ihrer Region heraus. Deshalb ist das Absuchen der Friedhöfe ein probates Mittel, den Fakten etwas näher zu kommen.
Uns liegen zwei Filme über Kriegsgräber von Toten aus dem Krieg gegen die Ukraine aus St. Petersburg vor. Beide Filme sind wackelige Handyvideos, die sich auf das Zeigen der entsprechenden Gräber konzentrieren und sind für nichts anderes gedacht. Wir stellen diese Filme nur zum Zwecke der Dokumentation vor, da wir in unseren Listen der getöteten Soldaten auf diese Filme verweisen.

„Wo ist das Geld, verdammt? Wo ist das Geld, verdammt? 17 Millionen, verstehen Sie? Wie kann man 17 Millionen für den Tod eines Menschen bekommen und damit nichts für ihn tun?“, beschwert sich Olga in einem öffentlichen Video. 17 Millionen Rubel sind nach aktuellem Kurs knapp 180.000 €.
Olga ist die Tochter von Dmitri Iwanowitsch Peremyschlnikow, geboren am 30.09.1967, aus der Hafenstadt Nachodka in der Region Primorje. Dimitri wurde vor zwei Jahren im Krieg gegen die Ukraine getötet. Die Witwe hatte wohl die staatlichen Abfindungen schnell beantragt, kein Geld für ein ordentliches Grab ausgegeben und auch die Beute nicht mit den anderen berechtigten Angehörigen geteilt. Sie hat sich stattdessen ein Eigenheim zugelegt. Die Geschichte erinnert an das System der „Schwarzen Witwen“, über das wir schon mehrach berichtet haben.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Die Stadt Schelechow muss man nicht kennen, sie ist eine Satellitenstadt der Regionalhauptstadt Irkutsk und existiert hauptsächlich auf Grund eines großen Aluminiumwerkes. In der Stadt gibt es auch das „Irkutsker Anti-Pest-Institut“. Dort arbeitete Daria Schipilowa, eine 28jährige junge Frau, die von den Behörden mal als Labortechnikerin, mal als wissenschaftliche Mitarbeiterin bezeichnet wurde.
Höchst wahrscheinlich stimmt letztere Angabe, die junge Frau forschte zur Wirksamkeit von antibakteriellen Medikamenten gegenüber Pestbakterien. Sie nahm zudem am jährlichen Allrussischen Kongress für Infektionskrankheiten (März) und an den internationalen Übungen von Schnelleinsatzteams für Notfälle (August) teil.
Am 29. September wurde die Frau ins Krankenhaus eingeliefert mit Verdacht auf Pest, offizielle Diagnose: Lungenentzündung mit unbekannter Ursache. Daria starb am 1. Oktober - an Lungenpest. Angeblich wäre ihr ein Reagenzglas mit Pestbakterien zerbrochen - wobei die Betonung auf angeblich liegt.
Die Behörden stellen etwa 200 Personen unter Quarantäne, die mit ihr Kontakt hatten.
Die ganze Region um den Baikalsee geriet danach in Aufruhr, weil man den offiziellen Beschwichtigungen nicht glaubte. Weitere Erkrankungen wurden bisher nicht festgestellt. Allerdings mussten die Arbeiter im örtlichen Aluminiumwerk mit Schutzmasken zur Arbeit antreten.
Anmerkung: Vielleicht erinnert sich jemand unter unseren Lesern über jene geheimen Bio-Labore, die angeblich die USA in der Ukraine betreiben würden. Die Behauptungen darüber gehen auf eine langanhaltende Desinformationskampagne Russlands zurück, die auch im Zuge des Ukraine-Krieges immer wieder als Argument für die russische Invasion gebraucht wurden. Für deren Existenz gab und gibt es keinerlei Hinweise. Tatsächlich finden sich jetzt solche Labore in Russland.
Die Rekrutierung von Zeitsoldaten für den russischen Angriffskrieg ist straff organisiert. Jede Region hat eine bestimmte Quote an neuen Freiwilligen zustellen, die von der Zentralregierung festgelegt wird. Die Regionalregierungen wiederum geben diese Quoten weiter und schreiben den Bezirken und Städten vor, wie viele Freiwillige diese akquirieren müssen. Die Höhe der ausgelobten Antrittsprämie richtet sich danach, wie schwierig es für die Regionalregierungen ist, neue Zeitsoldaten zu gewinnen.
Der russische Exilpolitiker Andrej Piwowarow berichtet nun, dass ihm 61 Gerichtsurteile vorliegen, in denen Regionalbeamte bestraft wurden, weil sie die gesetzten Quoten nicht erfüllen konnten. Eines der Beispiele handelt vom stellvertretenden Verwaltungsleiter der Großstadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Die Stadt konnte nur 80% der Quote an Freiwilligen erfüllen, der Beamte erhielt deshalb Ende des Jahres 2025 vom zuständigen Friedensrichter eine Geldstrafe von 30.000 Rubel (etwa 300 €).
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare: