30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
Mit schönen Abschiedsbildern wird versucht, die Grausamkeit des Krieges zu übertünchen. In der Realität kommen die gefallenen Soldaten meist in geschlossenen Särgen zurück in ihre Heimat. Aus gutem Grund - denn deren Körper sind von Granaten zerrissen, von Drohnen zerstückelt, völlig verbrannt oder verwest.
Das folgende Video kommt aus der Region Transbaikalien und zeigt 42 im Krieg gegen die Ukraine getötete Soldaten aus der Region. Alle sind ganz, lachen, sind fröhlich, winken aus dem Video heraus und steigen am Ende gen Himmel empor. Außer den Namen der Kriegstoten bietet das Video sonst keine weiteren Informationen.
Blick auf Stadt Arsenjew -- Foto: -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Dieser Beitrag stammt eigentlich vom 9. April 2024, wir haben ihn mehrfach aktualisiert. Wenn man die Namen und die Kurzlebensläufe der getöteten Soldaten durchgeht, bekommt man einen guten Überblick, aus welchen Bevölkerungsgruppen die meist freiwilligen Soldaten stammen.
Die Stadt Arsenjew liegt in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands und hat knapp 50.000 Einwohner mit abnehmender Tendenz. Von der Hauptstadt Wladiwostok ist sie etwa 300 km entfernt. Wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist die Hubschrauberfabrik "Progress", die hauptsächlich für das russische Militär arbeitet.
Trotz der großen Entfernung (9.000 km Fahrstecke, Luftlinie über 7.000 km) wurden nicht wenige Bürger von Arsenjew im Krieg gegen die Ukraine getötet. Insgesamt haben wir 131 gefallene Soldaten aus der Stadt gelistet. (Link)
Weiterlesen: Arsenjew - eine Stadt im fernen Osten Russlands
Wir haben in der Vergangenheit nicht sehr häufig über die Altersstruktur der gefallenen russischen Soldaten berichtet. Da wir allerdings die Geburtsdaten erheben, wollen wir hin und wieder eine aktuelle Zusammenstellung veröffentlichen. Im August hatten wir 7.228 getötete russische Soldaten neu erfasst, davon konnten wir von 5.091 das Geburtsdatum oder das Alter in Erfahrung bringen.
Der älteste Kriegstote war Anatolij Wladimirowitsch Winogradow (Foto), geboren am 07.11.1958, aus Jekaterinburg in der Oblast Swertlowsk. Der Jüngste war Erik Eduardowitsch Schajchutdinow (Foto), geboren am 25.05.2007, aus der Stadt Bugulma in Tatarstan.
Die Altersstruktur in Zahlen:
Weiterlesen: Altersstruktur der russischen Kriegstoten im August 2025
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Sergej Sergejewitsch Braun (Браун Сергей Сергеевич), geboren am 30.05.1995, lebte in der Stadt Beresowski in der Oblast Kemerowo. Irgendwelche Verbindungen zu Russlanddeutschen konnten wir nicht finden. |
Jegor Jurjewitsch Fischer (Фишер Егор Юрьевич), geboren am 13. Mai 1993, stammte aus dem kleinen Dorf Asamatowo in der Region Orenburg. Er war Waise, wuchs in einer Pflegefamilie auf. In Belebey/Baschkortostan absovierte er eine Ausbildung zum Elektriker. 2021 wurde er zum Wehrdienst eingezogen, verpflichtete sich als Zeitsoldat und kam im August 2022 an die Front. |
Sergej Wladimirowitsch Axt (Акст Сергей Владимирович ), geb. am 04.11.1977, lebte in Nowosibirsk. Auf Grund einiger deutscher Nachnamen in seinen Kontakten ist eine russlanddeutsche Abstammung wahrscheinlich. |
Weiterlesen: Deutsche Namen unter den russischen Kriegstoten im August 2025
Zunächst - bei der überwiegenden Anzahl der von uns erfassten Kriegstoten wird nicht angegeben, auf welcher vertraglichen Basis die Soldaten für Russland gestorben sind. Nur bei drei russischen Regionen wird häufig deren Status auch angeben: Baschkortostan, Burjatien und Jakutien. Wir haben deshalb diese drei Regionen herausgepickt und geschaut, wie viel Prozent die Berufssoldaten (Mannschaften und Offiziere), im Herbst 2022 Mobilisierten und die Freiwilligen ausmachen. Das Ergebnis dürfte dann in etwa auch auf die anderen russischen Regionen übertragbar sein.
Danach hatten wir im August 2025 unter den Kriegstoten
Die Zahlen im Einzelnen:

Trauerfeier für einen getöteten Soldaten im Sportzenrum Lukodrom in Ulan-Ude
Die Nachrufe der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten aus Burjatien sind regelmäßig die Ausführlichsten in ganz Russland. Manchmal gleichen sie beinahe Bewerbungen für einen Arbeitsplatz. Natürlich sind die meisten Ausführungen geschönt, verschweigen die negativen Dinge, aber sie enthalten überwiegend die wichtigsten Fakten: Kompletter Name, Geburtstag und Ort, Schul- und Berufsausbildung, Familienstand, militärischer Status und Todeszeitpunkt.
Aus dem kurzen Zeitraum 4. - 5. September 2025 haben wir acht getötete Soldaten aus Burjatien erfasst, fünf davon waren Freiwillige, ein Berufssoldat und zwei junge Wehrpflichtige, der sich während ihres Dienstes zum Vertragsdienst überreden ließen. Von den fünf Freiwilligen waren drei Kurzzeitsoldaten, die kurz nach ihrer Ankunft im Kriegsgebiet auf Selbstmordangriffe geschickt wurden. Und auch die beiden Wehrpflichtigen starben schnell. Hier ihre Kurzbiografien:
Weiterlesen: Burjatische Kurzzeitsoldaten vom 4. und 5. September 2025

Kasachischer Friedhof
In der Oblast Omsk leben etwa 1,8 Millionen Menschen - Tendenz fallend. Im Ranking der russischen Regionen im Bezug auf die Lebensqualität liegt die Oblast auf einem der hinteren Plätze in Russland. Im Süden grenzt die Oblast an Kasachstan und so wundert es nicht, dass die Kasachen mit knapp 80.000 Menschen die größte Minderheit in dieser Region stellen.
Auf dem kasachischen Friedhof in Omsk gibt es Dutzende Gräber von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen kasachischen Soldaten. Die Kasachen machen rund 4% der Bevölkerung aus. Unter den Kriegstoten der Region Omsk haben die ethnischen Kasachen aber einen Anteil von 15 %.
Der Autor des Films gibt an, dass alle gezeigten Gräber zu kasachischen Kriegstoten gehören.
Weiterlesen: Kasachen aus Omsk, die für die russische Welt gestorben sind
Als der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann, war Maxim Wjatscheslawowitsch Suworow gerade 14 Jahre alt. Maxim wurde am 5. Juni 2007 in der städtischen Siedlung Kamensk in Burjatien geboren und am 24. Juli 2025 im Gebiet des Dorfes Nowy Komar in der Ukraine getötet.
Da es in Burjatien üblich ist, über die Gefallenen zwar geschönte, aber sehr ausführliche Nachrufe zu schreiben, können wir die Umstände seines frühen Todes ziemlich genau nacherzählen.
Auch die Geschichte von Maxim wirft ein düsteres Bild auf eine russische Gesellschaft, in der Macht und Erfolg über das Leben der eigenen Bürger gestellt werden. So werden auch 18-jährige Jugendliche bedenkenlos an der Front geopfert.
Weiterlesen: Maxim Wjatscheslawowitsch Suworow - geboren am 5. Juni 2007
Die Stadt Tambow liegt 420 km südöstlich von Moskau und ist Hauptstadt der Oblast Tambow. Die Stadt hat aktuell 255.000 Einwohner, Tendenz fallend. Wir zeigen heute ein Video über die Gefallenen im Krieg gegen die Ukraine, die auf dem zentralen Polynkowskoje-Friedhof in Tambow beerdigt wurden. Das Video zeigt Fotos von den Gräbern - insgesamt 92. Wir konnten 63 neue Namen in unsere Datenbank aufnehmen.
Unser Anspruch war schon immer, dem russischen Krieg so etwas wie ein Gesicht zu geben und all das menschliche Leid, das er verursacht, in den Vordergrund zu stellen. Die ukrainische Einheit "Rubisch (Grenze)" hat russische Soldaten gefangen genommen und Fotos der Kriegsgefangenen veröffentlicht, deren Gesichter man die Schrecken jenes Krieges ansieht.
Wir haben uns deshalb entschlossen, diese Fotos auch zu zeigen.
Es ist der 27. Juni 2025, wir befinden uns auf dem Flughafen von Tschita, der Hauptstadt Transbaikaliens. Die Männer warten auf den Abflug eines Militär- oder Cargoflugzeugs, das sie in die Nähe des Kriegsgebiets in der Ukraine bringen soll.
Der Mann auf dem Foto ist Alexej Andrejewitsch Ryl, geboren am 10. Dezember 1982. Sollte der Name einen russlanddeutschen Ursprung haben, so könnte man den Nachnamen auch Rühl oder Riehl schreiben. Alexej hat vor dem Abflug dieses Foto und ein Zweites aus dem Inneren der Maschine an seine Frau geschickt.
Eigentlich ist es eine erbärmliche Trauerfeier am 18. August 25, bei der versucht wird, dem toten Radik Albertowitsch Kosinow einen würdigen, soldatischen Abschied zu bieten. Tatsächlich müssten sich alle Beteiligten die Frage stellen, warum hat niemand den dummen Jungen gestoppt? Zunächst seine Eltern, seine junge Frau, die Leute von der Militärregistrierung und zuletzt seine Kommandanten an der Front - alle hatten die Möglichkeit ihm zu erklären, Krieg ist kein Abenteuer oder Computerspiel. Wenn man Glück hat, kommt man traumatisiert nach Hause und wenn nicht - im Zinksarg
So brach am 19. Mai 2025 Radik zu seinem ersten und letzten Kampfeinsatz an der Front in der Ukraine auf.

Maxim lebte in der sibirischen Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk. In der Umgebung gibt es Goldvorkommen, die zum raschen Wachstum der Stadt beigetragen haben. Mit dem schnöden Mammon hatte Maxim ein besonderes Verhältnis. Bereits mit 18 Jahren stand er vor Gericht, weil er ein Auto gestohlen hatte. Und im Jahr 2022 stand er erneut wegen Diebstahls vor Gericht. Neben einem Wolf auf der Brust hatte er sich ein Dollar-Zeichen auf den Ringfinger tätowieren lassen. Laut seinem VKontakte-Status hat er sich für Programmiersprachen interessiert, doch das schnelle Geld verdient ein Russe heute im Krieg - mit meist tödlichem Ausgang. Maxim Wiktorowitsch Kriwodanow (21.03.1992 - 22.01.2025).

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.