30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
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Aleksander Aleksandrowitsch Funkner (Функнер Александр Александрович) wurde am 04. Februar 1980 im kleinen Dorf Wolowo (99 Einwohner im Jahr 2014) in der Oblast Nowosibirsk geboren. Aleksander ist Russlanddeutscher. |
Eduard Jurjewitsch Engel (Энгель Эдуард Юрьевич), geboren am 13. Mai 1993, wuchs im großen Dorf Kljutschi (Bezirk Kljutschewski) im Altai auf. |
Sergej Nikolajewitsch Friesen (Фризен Сергей Николаевич), geb. am 5.07.1988, stammte aus Anschero-Sudschensk im Kohlebecken der Oblast Kemerowo. Die Stadt liegt an der Transsibirischen Eisenbahn und befindet sich auf einem absterbenden Ast - seit 1960 hat sich die Bewohnerzahl auf 64.000 halbiert. |
Weiterlesen: Deutsche Namen unter den russischen Kriegstoten im Juli 2025

Russlands Krieg gegen die Ukraine mit den vielen toten russischen Soldaten muss der eigenen Bevölkerung vermittelt werden. Ein gutes Beispiel dafür kommt aus südlichen Region Stawropol, das wir hier vorstellen wollen. In einem Video geht es um die gefallenen Kosaken der Region, insgesamt zeigt der Film 56 im Krieg gefallene Soldaten mit wenigen persönlichen Daten.
Stadt Sarapul am Fluss Kama -- Foto: Alexxx1979 -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Stadt Sarapul war bis zum Jahr 2010 eine Großstadt mit deutlich über 100.000 Bewohnern, einer starken industriellen Basis und ist die drittgrößte Stadt Udmurtiens. Sie liegt etwa 1.250 km östlich von Moskau. Doch auch diese Stadt schrumpft, hat in den letzten 30 Jahren etwa 20.000 Bewohner verloren, was die ökonomische Realität verdeutlicht. Sarapul liegt am Fluss Kama, ein 1.800 km langer Nebenfluss der Wolga.
Bewohner von Sarapul haben ein Video über einen ziemlich ungepflegten Soldatenfriedhof veröffentlicht, auf dem die Toten im Krieg gegen die Ukraine bestattet werden. Der Telegram-Kanal "Udmurtien gegen Korruption" schreibt dazu:

Dorf Watschi -- Foto: Davdiev Rafael R -- Lizenz: CC BY-SA 2.0
In den Regionen des Kaukasus leben etwa 50 unterschiedliche Völker mit eigener Kultur, Sprache und Religion. Heute wollen wir den Kulinsky Bezirk in der russischen Teilrepublik Dagestan vorstellen, in dem fast alle Bewohner zum Volk der Laken gehören. Etwa 160.000 Menschen in Dagestan bezeichnen sich als Laken, sie haben eine eigene Sprache und sind vorwiegend Muslime. Im Kulinsky Bezirk leben rund 11.000 Menschen, Zentrum des Bezirks ist das Dorf Watschi mit etwa 1.500 Bewohnern. Watschi ist etwa 100 km Luftlinie von der Republikhauptstadt Machatschkala entfernt.
Eine Redakteurin einer lokalen Zeitung hat ein Video zusammengestellt, das die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Laken zusammenfasst - 95 an der Zahl. Auch in diesem Film werden die Kriegstoten heroisiert und nicht hinterfragt, was diese Opfer eigentlich mit dem eigenen Volk zu tun haben. Wir konnten 14 Namen in unsere Datenbank nachtragen.
Weiterlesen: Im Krieg gegen die Ukraine getötete Laken aus Dagestan

Guido Huber kommt aus Lübben in der Niederlausitz. Er vermisste seine alte DDR und hat sie in der Region Jamal in Russland wiedergefunden - vor einem Jahr wanderte er aus. In der Sprache der Ureinwohner bedeutet das Wort "Jamal" so viel wie das Ende der Welt.
Aber Guido wollte nicht im hohen Norden Russlands frieren, er hat sich als Söldner für den Krieg in der Ukraine gemeldet, eine Tatasche, die die russischen Propaganda-Kanäle jetzt ausschlachten. Das folgende Video mit Guido wurde am 6. August 25 aufgenommen:
„Masken-Schau“ am Tag des Gedenkens an die Opfer des Großen Terrors in Sandarmoch

Menschen in Schwarz umzingelten eine Frau, die zu einer Gedenkveranstaltung in Sandarmoch gekommen war
Nationalisten der „Russischen Gemeinschaft“ und andere Provokateure versuchten, die Verlesung der Namen der 1937–1938 in Karelien erschossenen Menschen zu stören. Die Gedenkfeier fand am 5. August, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Großen Terrors, auf dem Gedenkfriedhof Sandarmoch in der Nähe der karelischen Stadt Medweschjegorsk statt, wo mehr als sechstausend Menschen begraben sind.
Weiterlesen: Sandarmoch -- Teil II: „Wem und wozu dient das alles auf den Gräbern?“
Kisseljowsk, Leninstraße -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ohne Kohle wäre in Kisseljowsk nichts los. Mitten im heutigen Stadtgebiet lagen die ersten Kohleminen, von den vormals zehn Kohleabbaustellen sind im Moment noch vier irgendwie aktiv und sorgen für eine hohe Belastung der Umwelt. Im Winter kann es vorkommen, dass auf der Erde eine schwarze Schneedecke liegt. Kisseljowsk hatte in den 70-iger Jahren noch etwa 130.000 Einwohner, heute sind es noch 80.000 - Tendenz stetig fallend. Die Stadt liegt in der Oblast Kemerowo etwa 180 km südlich der Hauptstadt.
Weiterlesen: Die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten aus Kisseljowsk
Ein Schüler aus Dagestan unterschrieb unter Folter einen Vertrag und verschwand im Krieg
Der 18-jährige Schüler Said Murtasaliew aus Dagestan fuhr im Januar 2025 in die Winterferien nach Moskau, wo er zusammen mit Freunden von der Polizei festgenommen wurde. Unter Androhung der Verhaftung wegen eines angeblich von ihnen begangenen Verbrechens wurde Said gezwungen, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zu unterschreiben. Nach Angaben seiner Mutter wurde der Schüler nicht nur bedroht, sondern auch gefoltert – man übergoss ihn mit eiskaltem Wasser, setzte ihm eine Gasmaske auf und schlug ihn.
Zuletzt gelang es Said im März, seine Familie anzurufen – seitdem erhält seine Mutter vom Militär keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.
Berg Elbrus -- Foto: JukoFF -- Lizenz: Frei
In der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien wohnen rund 900.000 Menschen. Etwa 70% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, der Anteil der russischstämmigen Bevölkerung nimmt stetig ab und lag im Jahr 2020 bei knapp 20 Prozent. Im Krieg gegen die Ukraine sind die Bewohner extrem zurückhaltend, die Republik liegt in unserer Statistik der Kriegstoten in Abhängigkeit von der Bevölkerung auf den ganz hinteren Plätzen.
Es ist Anfang Mai im Bezirk Elbrus und im Dorf Kendelen mit rund 7.000 Bewohnern findet eine Gedenkveranstaltung statt. Eine Delegation des Motorradclubs "Nachtwölfe" ist extra gekommen, um eine Tafel für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner einzuweihen. Wir geben den Bericht der Bezirksverwaltung im übersetzten Original wieder. Von den elf veröffentlichten Namen waren uns acht unbekannt.
Weiterlesen: Einweihung einer Gedenktafel im Bezirk Elbrus zusammen mit den "Nachtwölfen"

Ein Telegram-Kanal der Marineinfanteristen von Sewastopol auf der Krim veröffentlicht hin und wieder Meldungen von gefallenen Soldaten der Marine. Aktuell wurde ein Video veröffentlicht, das 100 im Krieg gegen die Ukraine getöteten Marinesoldaten vorstellt, die aus der Region Wolgograd kommen. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Videos enthält dieses etwas mehr Informationen über die gefallenen Soldaten. Wir konnten 38 neue Namen in unsere Datenbank eintragen.
Weiterlesen: Gefallene Marinesoldaten aus der Oblast Wolgograd
Jurij Maximowitsch Witsinets -- Danijar Baktiarowitsch Kereibajew -- Denis Alexandrowitsch Moschaitsew
Soldaten im Wehrdienst wurden durch Täuschung und Drohungen dazu gezwungen, einen Vertrag zu unterschreiben
Drei Russen, Soldaten im Wehrdienst im Alter von 18 bis 19 Jahren, haben das obige Video aufgenommen, in dem sie berichten, dass sie durch Täuschung dazu gezwungen wurden, unbefristete Verträge in Burjatien zu unterschreiben. Nachdem sie in der 37. separaten motorisierten Schützenbrigade der Militäreinheit 69647 in der Stadt Kjachta angekommen waren, begann der Zugführer, die Wehrpflichtigen mit der Versetzung an die Front und faktisch mit dem Tod zu bedrohen.
Die Angehörigen aller drei Soldaten berichteten, dass ihnen wegen ihrer Weigerung, den Vertrag zu unterschreiben, damit gedroht wurde, sie in die Region Kursk zu bringen und „auszulöschen“.
Zentrum von Pokrowsk vor der russischen Zerstörung -- Foto: MOs810 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Pokrowsk ist eine Stadt in der Region Donezk, um die zur Zeit heftig gekämpft wird. Die Stadt hatte ursprünglich mal 60.000 Einwohner, fast alle Bewohner haben inzwischen die Ruinen der Stadt verlassen. Die Situation für die ukrainischen Verteidiger hat sich angeblich in letzter Zeit verschlechtert, die russische Propaganda berichtet täglich von neuen Geländegewinnen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Der russische Kanal ZOW Insider, der aktuelle Verlustlisten der russischen Soldaten erstellt, hat am 23. Juli einen wütenden Bericht veröffentlicht, den wir hier übersetzt dokumentieren:

Maxim lebte in der sibirischen Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk. In der Umgebung gibt es Goldvorkommen, die zum raschen Wachstum der Stadt beigetragen haben. Mit dem schnöden Mammon hatte Maxim ein besonderes Verhältnis. Bereits mit 18 Jahren stand er vor Gericht, weil er ein Auto gestohlen hatte. Und im Jahr 2022 stand er erneut wegen Diebstahls vor Gericht. Neben einem Wolf auf der Brust hatte er sich ein Dollar-Zeichen auf den Ringfinger tätowieren lassen. Laut seinem VKontakte-Status hat er sich für Programmiersprachen interessiert, doch das schnelle Geld verdient ein Russe heute im Krieg - mit meist tödlichem Ausgang. Maxim Wiktorowitsch Kriwodanow (21.03.1992 - 22.01.2025).

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.