31.08.2026 -- 230.141// Zuwachs zum 31.07.2026: 6.580
„Unser geliebter Sohn, Ehemann, Bruder, Neffe und Freund Boris Andrejewitsch Schaurow starb im Einsatz während einer militärischen Spezialoperation. Im Oktober 2022 wurde er in die SWO-Zone abkommandiert. Fast vier Jahre lang diente er seinem Land und war stets seinen Kameraden zur Seite. Er war ein gütiger, fröhlicher Mann mit einem großen Herzen. Er hatte viele Pläne für sein Leben, die er leider nicht mehr verwirklichen konnte,“ schreiben die Angehörigen im Nachruf. Boris wurde am 20. September 1991 geboren und lebte in Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai.
Russisches Plakat zum Krieg in der Ukraine
Text: Zermalmt diesen faschistischen Bastard! ZA SIEG!
So sehen von Russland eroberte Städte und Dörfer aus: Zerstörte Wohnhäusern, Straßen und Wirtschaftsgebäude, dazu vom Krieg verseuchtes Ackerland - „befreite Gebiete“ nach russischer Diktion. Alexander Wassiljewitsch Lasarenko hat ein Selfie vor dieser Kulisse aufgenommen. Der junge russische Soldat wurde am 14.02.2004 geboren und stammte aus der Stadt Beloretschensk in der Region Krasnodar. Ende Februar 2026 legten Menschen aus seiner Heimatstadt ein paar frische Blumen auf sein Grab.
Eine der vielen Ethnien im Kaukasus sind die Tabassaranen. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist Dagestan, dort leben rund 126.000 Tabassaranen im bergigen Südosten. Chutschni ist ein Dorf mit 3.800 Bewohnern und Zentrum des Tabasseran-Bezirks in Dagestan. In Chutschni wurden Anfang September 2026 an der örtlichen Schule drei Gedenktafel enthüllt, um die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Bezirksbewohner zu ehren. Einer davon ist Temirlan Ullubijewitsch Dschabrailow. Er wäre 32 Jahre alt geworden, schreibt die Bezirksverwaltung mit hellseherischen Fähigkeiten. Denn laut Tafel wird Temirlan erst am 24. Oktober 2026 sterben.
Telegram-Kanal „Die Toten aus der Republik Sacha“ vom 22.08.2026
Auch mobilisierten Soldaten an der Front wird der Vertragsdienst „angeboten“. Das Militär will diese erfahrenen Soldaten langfristig an sich binden, für die Mobilisierten winken die hohen Prämien bei Vertragsunterzeichnung.
Telegram-Kanal „Die Toten aus der Republik Sacha“ vom 18.08.2026
Seit September 2022 war Semen Saar-oolowitsch Mongusch einer der vielen Tuwiner, die für den russischen Imperialismus Krieg gegen die Ukraine führen. Semen überlebte ziemlich lange im Kriegsgebiet. Im Jahr 2023 wurde er zu den „Schwarzen Husaren“ versetzt, einer russischen Einheit, die den höchsten Blutzoll an der Front zahlt. Am 25. September 2025 war dann auch für Semen Schluss, erst am 18.08.26 wurde er beerdigt.
Wladislaw Jewgenjewitsch Kostromitin, geboren am 24.04.1993, war ein abgehalfteter Moskauer Gangster-Rapper, der unter dem Namen Wlad Marmeladow auftrat. Seine Themen kamen aus der russischen rechtsradikalen Ultra-Fußballszene, getüncht mit extremen Patriotismus und Gangsteridyll (Musikprobe). Mit der Musik lief es wohl nicht so gut, also dealte Wlad auch ein wenig. Statt Gefängnis ging er lieber an die Front, wo er getötet wurde. „Wir kannten ihn als einen würdigen Menschen und Sohn seines Vaterlandes. Er lebte wie ein echter Mann und Krieger und starb wie ein echter Mann und Krieger“, schreibt der Nachruf am 12.08.26.
Das Dorf Chonuu liegt im Norden der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien), etwa 800 km Luftlinie von der Hauptstadt Jakutsk entfernt und hat rund 2.000 Bewohner. Chonuu ist nicht an das Straßennetz angebunden, es gibt Pisten im Winter und Schiffe im Sommer, über die das Dorf versorgt werden kann. Dazu gibt es einen kleinen Flughafen, der wöchentlich angeflogen wird. Mit Arbeit sieht es im Dorf mau aus. Die Bevölkerung ist überwiegend in öffentlichen Einrichtungen beschäftigt: Schulen, Verwaltung, Gesundheitseinrichtungen usw.
Viktor Gennadjewitsch Zintschenko, etwa 55 Jahre alt, arbeitete als Sicherheitsbeamter im Dorf, was immer das bedeuten mag. Wahrscheinlich wollte Viktor auf seine alten Tage noch einmal viel Geld verdienen und meldete sich freiwillig zum Krieg in der Ukraine. Die Sache ging übel aus - schwer verletzt wurde er nach Chonuu überstellt und starb am 15.07.2026 nach langem Siechtum an seinen Verletzungen.
Blumen - damit kann man auch für kurze Zeit die Schrecken des Krieges verdrängen. Juri ließ sich im Mohnfeld fotografieren und wurde getötet, Alexej hatte einen großen Strauß Margeriten & Sonnenblumen gepflückt, starb später elendiglich im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Roman Karmanow, geboren am 27.06.2001, lebte in der Großstadt Orjol. Auch er schickte ein Foto mit einem Margeritenstrauß nach Hause. Roman kam im Zinksarg zurück und wurde am 08.07.26 kirchlich bestattet.
Eines der vielen Fotos von russischen Teilnehmern im Krieg gegen die Ukraine. In all dem alltäglichen Schrecken, der Zerstörung und dem Tod sucht der Soldat die Nähe nach einem jungen kuscheligen Haustier, das das unschuldige Gegenteil vom Zustand des Krieges darstellt. Deshalb lassen sich die Soldaten gerne mit jungen Hunden, Katzen und Fohlen fotografieren. Der junge Mann auf dem Foto ist Sergej Alexandrowitsch Karabanin. Er kam aus der Stadt Borsja im südlichen Transbaikalien, die nur 40 km von der Grenze zur Mongolei entfernt ist. Sergejs Mutter hat die Nachricht bei VKontakte eingestellt. Das Geburtsdatum ihres Sohnes hat sie im Beitrag vergessen.
Der Nachtklub in Kamensk-Uralsky heißt sinnigerweise „Joy“ in dem der Boxer Alexander Maximow im Sommer 2023 seinen Geburtstag feierte. Auf der Toilette ging es hoch her, Alexander wurde niedergeschlagen und am Boden liegend erschossen. Ein Freund, der helfen wollte, bekam einen Bauchschuss, aber überlebte. Der Täter, Oleg Jewgenjewitsch Babuschkin, verteidigte sich mit Notwehr. Der Prozess ging durch mehrere Instanzen, am Ende bekannte er sich doch schuldig. Das Verfahren wurde sofort ohne Urteil eingestellt, denn Oleg zog stattdessen in den Krieg. Er kam nicht lebend zurück, sein Tod wurde Anfang August 2026 gemeldet.
Aleksej Abaimow war Direktor einer staatlichen Entwicklungsgesellschaft in Tscheljabinsk. Zum Bau von Sportanlagen nahm er Bestechungsgelder an und akzeptierte der Gegenseite deren überhöhte Rechnungen. Der Fall ging bereits im Jahr 2023 vor Gericht und wurde schließlich ohne Urteil eingestellt. Alexej meldete sich Ende 2024 „freiwillig“ zum Krieg gegen die Ukraine, im August 26 wurde sein Tod bekannt.
Suchanzeige vom 04.08.2023:
Nikita Jewgenjewitsch Arnst
Geboren am 27.08.2003
Nowosibirskaja Oblast, Krasnoserski rajon, Dorf Petropawlowka.
Rufname: DEUTSCH
Vertragssoldat
Seit dem 18. April 2023 vermisst, nachdem er an den Angriff auf Bachmut teilgenommen hatte.
TELEFON: 89133910161 & 89833034238
Der Russlanddeutsche war da schon tot. Seine Schule organisierte im Februar 2025 zu seinem Tod eine Kundgebung.
In der von Russlan besetzten Region Luhansk war am 28. Juli 2026 ein Lada Niwa unterwegs. In ihm saßen der Rektor und sein Stellvertreter einer orthodoxen Kirche in der Oblast Leningrad. Beide waren wohl Militärpriester, in der gestelzten russischen Wortwahl „ Assistenten des Kommandeurs für die Arbeit mit den Gläubigen des Militärpersonals einer der Militäreinheiten“. Eine Drohne griff das Fahrzeug an, der Rektor wurde verletzt, sein Stellvertreter Mönch Raphael getötet. Raphael hieß bürgerlich Michail Anatoljewitsch Anisimow. Er wurde im Jahr 1958 im heute russisch besetzten Abchasien geboren und trat im Jahr 2010 in ein Kloster in der Region Leningrad ein. Dort war er Bäcker. Wie seine russisch-orthodoxe Kirche unterstützte er den Krieg gegen die Ukraine und hat wohl an der Front Brot gebacken, wie jenes Foto zeigt.
Sechs Personen sitzen um den Sarg von Sergej Wladimirowitsch Porobow in einem Raum, der auch schon bessere Tage gesehen hat. Sergej wurde am 11.11.2002 geboren und lebte im großen Dorf Bagan in der Oblast Nowosibirsk. Im Oktober 2023 stand Sergej vor Gericht und wurde verurteilt. Der Inhalt des Urteils ist verborgen. Es liegt nahe, dass um dem Gefängnis zu entgehen, Sergej sich beim russischen Militär verpflichtete. Im Januar 2025 suchte seine Mutter öffentlich nach ihm, aber hatte damals nicht einmal ein gut erkennbares Foto von ihm. Da war er schon tot. Dafür hat sie jetzt einen Enkel, dem sie die Aufmerksamkeit geben will, die ihr Sohn, der Vater, wohl nicht bekommen hatte: „Ich bin Großmutter!!! Wie neu dieses Gefühl ist! So ehrfurchtgebietend und wie ein Wunder! Wieder bin ich bereit, Zärtlichkeit und Liebe zu schenken, nachts nicht zu schlafen und Erkältungen zu behandeln…“
Er wurde nach einem Vorfall, bei dem er seine Zwillingsschwester verletzte und versuchte, seine Mutter zu töten, in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Er streamte auf Plattformen für Live-Übertragungen, trank viel Alkohol.
Telegram-Kanal: Die Toten aus Sacha (Jakutien) vom 26.07.2026
Bujanto wurde als sechstes Kind in eine große Familie geboren. Er hatte gesundheitliche Probleme und verbrachte die letzten drei Schuljahre in einem Sanatorium. Folglich musste er keinen Wehrdienst ableisten, dafür malochte er direkt nach der Schule im Schichtdienst.
Für den Krieg in der Ukraine war er allerdings gesund genug, im Jahr 2024 unterschrieb er einen Militärvertrag. Im Februar 2025 wurde er schwer verwundet, aber auch Krüppel werden an der Front eingesetzt. Im März 2026 musste errneut in das Kampfgebiet, wo er nach kurzer Zeit getötet wurde. Bujanto Bulatowitsch Ochirow (26.03.1987 - 16.04.2026) lebte im Dorf Dyrestui in Burjatien.
Andrej Viktorowitsch Reznikow wurde am 12.05.1970 in der Region Krasnodar geboren. Nach seinem Wehrdienst wurde er Mitglied der berüchtigten OMON-Einheiten (Nationalgarde). Er kämpfte im Krieg gegen die Tschetschen und war an Antiterror-Aktionen beteiligt.
Als er aus Altersgründen aus dem Dienst ausscheiden musste, hatte er immer noch nicht genug vom Krieg. Im Jahr 2014 verkleidete er sich als Separatist und beteiligte sich am ersten Krieg gegen die Ukraine.
Danach gab es im Kriegshandwerk für Andrej nichts mehr zu verdienen, er zog um nach Burjatien, heiratete und arbeitete im Schichtdienst. Doch sein bürgerliches Leben war nicht von Dauer. Im Januar 2026 unterzeichnete er einen Militärvertrag, der bereits am 23. Mai 2026 von ukrainischer Seite gekündigt wurde.
Es ist nicht alles Militär, was in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten stationiert ist. Auch Polizei- und Justizeinheiten sind unter anderem dort vertreten. Anna Alanowna Kirguewa vertrat Russland als stellvertretende Staatsanwältin in der ukrainischen Stadt Enerhodar. Die Stadt entstand durch den Bau des Wärmekraftwerks Saporischschja und des Kernkraftwerks Saporischschja und hatte mal über 50.000 Bewohner. Anna war Mitte Juni 2026 mit einem PKW auf dem Weg zu einer Familienfeier in ihre Heimat Nordossetien-Alanien. Eine ukrainische Drohne beendete ihr Leben.

„Unser geliebter Sohn, Ehemann, Bruder, Neffe und Freund Boris Andrejewitsch Schaurow starb im Einsatz während einer militärischen Spezialoperation. Im Oktober 2022 wurde er in die SWO-Zone abkommandiert. Fast vier Jahre lang diente er seinem Land und war stets seinen Kameraden zur Seite. Er war ein gütiger, fröhlicher Mann mit einem großen Herzen. Er hatte viele Pläne für sein Leben, die er leider nicht mehr verwirklichen konnte,“ schreiben die Angehörigen im Nachruf. Boris wurde am 20. September 1991 geboren und lebte in Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.