Alexej kommt aus dem Dorf Nischni Kuranach in Jakutien. Das Dorf ist ein Zentrum des Goldabbaus in der russischen Teilrepublik. Alexej wurde im Herbst 2022 zum Krieg in der Ukraine mobilisiert. Auch er suchte in der brutalen Realität des Krieges für ein Foto die Idylle einer Blumenwiese. Bereits im Juli 2023 verschwand er bei einem Angriff in der Region Luhansk und tauchte nie wieder auf. Alexej Dmitriewitsch Barsuk, 26.08.1986 - 10.07.2023.

Igor Wladimirowitsch Sosnowski wurde am 13. Januar 1977 im Tschuktschen-Dorf Waegi geboren.  Er hatte interessante Ausbildungen vorzuweisen, aber blieb nicht lange in den entsprechenden Berufen. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Bauingenieur, danach wurde er Jurist und landete schließlich bei der staatlichen Rentenkasse. Im Mai 2023 meldete er sich freiwillig und wurde bei einem Angriff durch Granatsplitter getötet. Am 22.12.25 wurde er bestattet.

Alexander Sergeewitsch Swerbius, geboren am 09. April 1983, stammte aus der ukrainischen Stadt Krasnyj Lutsch in der Oblast Luhansk und kämpfte gegen seine eigenen Landsleute. Seine Angehörigen suchten am 16. Mai 2024 öffentlich nach ihm: „Der Mann befindet sich möglicherweise in einem Krankenhaus in St. Petersburg. Seit dem 10. Februar 2024 kein Kontakt mehr.. Laut den anderen war er schwer verletzt, seine Beine waren gebrochen, er hatte eine vollständige Amnesie und etwas stimmte mit seinem Arm nicht.“ Doch Alexander hatte keine Amnesie und lag auch nicht im Krankenhaus in St. Petersburg. Er war bereits seit  dem 16. Februar 2024 tot. Dafür durfte sein Sohn in seiner Schule im Dezember 2025 von des Vaters Heldentaten berichten.

Alexej Igorewitsch Detkow stammte aus der Region um die ehemalige Großstadt Leninsk-Kusnezki in der Oblast Kemerowo. Im Juli 2011  eskalierte  eine Prügelei mit einem Bekannten. Besoffen stürmte Alexej und ein Kumpel zur Wohnung des Bekannten, in der sich  dessen Frau und Kind befand. Die Frau wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Aus Angst, entdeckt zu werden, flüchteten die Angreifer in ein anderes Haus, wo sie drei Menschen mit jenem Baseballschläger und Messern töteten und das Haus anschließend in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flohen mit dem Auto eines der Opfer. Im Prozess bekam Alexej 23 Jahre Knast in einem Hochsicherheitsgefängnis. Auch Alexej zog die geringe Chance, den Krieg gegen die Ukraine zu überleben, dem Gefängnis vor. Er hat es nicht geschafft, bekommt stattdessen am 22.01.2026 ein würdiges militärisches Begräbnis.

Ruslan Kamilowitsch Askarow, geboren am 10.02.10987, kommt wahrscheinlich aus der Region Orenburg, aber hat wegen der höheren Antrittsprämie in Moskau einen Zeitvertrag mit dem Militär unterschrieben. Besondere Merkmale: Tätowierung eines Adlers und eines Wolfes auf der Brust, Tätowierung eines Tigers auf der rechten Schulter. Bei einem Angriff nahe der ukrainischen Stadt Tschassiw Jar am 3.10.2024 geriet er in „Bedrängnis“ und gilt seitem als verschollen. Das Nachlassgericht hat inzwischen seinen Tod auf diesen Tag festgelegt.

Artem Wladimirowitsch Tscherginez, 12.05.1989-7.01.2026, stammte aus der ukrainischen Stadt Luhansk. Im Jahr 2014 schloss er sich den Separatisten an und machte im russischen Militär Karriere bis zum Major. Ein Herzinfarkt beendete seine Laufbahn.

„In diesem Jahr sind bereits acht Menschen verstorben, die in unserem Dorf geboren wurden oder dort lebten. Und wenn ich mich nicht irre, waren dort nur 120 Personen gemeldet… Kolja Tarasow, gefallen im Einsatz im nördlichen Militärbezirk am 11. August 2025… Dieses Foto entstand am 2. Mai 2015. Kolja kam für eine Raucherpause und ein Gespräch über das Leben vorbei. Er hatte noch zehn Jahre vor sich.“
Nikolai Tarasow lebte im Dorf Arzubicha in der Region Wologda. Text und Foto von Grigori Smirnow.

Den Literaten unter den Nachrufschreibern gelingt so manche Stilblüte:
Am 5. August 2024, im Alter von 33 Jahren, traf Iwan eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte. Er unterzeichnete einen Vertrag und zog in den Krieg, um sein Vaterland zu verteidigen. Seit August 2024 galt er als vermisst. Lange Monate der Hoffnung und Ungewissheit quälten die Herzen seiner Angehörigen. Erst am 1. Juli 2025 erreichte sie die bittere Nachricht: Er hatte seine Pflicht gegenüber seinem Land erfüllt und war gefallen.
Iwan Katunin, 16.09.1990 - 24.08.2025, lebte im Dorf Schurewka-Perwaja in der Oblast Belgorod.

Gennadi Sergejewitsch Gromak (26. April 1984 - 31. Mai 2025) stammte aus der ukrainischen Stadt Kertsch auf der Krim und war aktiver Teil der Kosakenbewegung. Er meldete sich freiwillig zum Krieg gegen sein Land als Richtschütze an einer Kanone. Gennadi starb  in einem ungleichen Kampf - großes Geschütz gegen kleine Drohne. „Er starb durch die Explosion einer feindlichen Drohne, während er bis zum letzten Augenblick mit einer Kanone auf den Feind feuerte“, berichtet der Nachruf. Durch DNA wurden seine sterblichen Reste identifiziert, die Beisetzung steht noch aus.

Jerschan Sereksbaewitsch Jerschanow (Foto), geboren am 09.03.1990, lebte in der Siedlung Burtinsky im Zentrum der Oblast Orenburg. Er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet und wurde am 22.09.25 er an der Front getötet. Das ist alles was wir über den Mann wissen. Seine Eltern haben ein KI-generiertes Video in Auftrag gegeben, das wir hier dokumentieren. Jerschan war nicht verheiratet, also hat seine Familie ihm noch eine virtuelle Braut, ganz in weiß, dazu gedichtet.

Igor Gretschischnikow (Foto), 65 Jahre alt, lebt in Aluschta, einem Kur- und Ferienort auf der Krim. Er ist der Vater oder Großvater eines sehr jung im Krieg gegen die Ukraine getöteten russischen Soldaten. Trotzdem unterstützt  er den russischen Angriffskrieg. In seinem Status haben wir das obige selbstgemalte Plakat gefunden, das den russischen Krieg auf eigene Weise dokumentiert. Text: „Wir können uns nicht verirren, weil wir nicht wissen, wohin wir gehen.

Am Streckenkilometer 2.306 ab Moskau befindet sich die Station Omutinskaja der Transsibirischen Eisenbahn. In dieser Siedlung in der Region Tjumen lebte Igor Iwanowitsch Syrow, geboren am 20. Januar 1965. Er hatte sich im Herbst 2024 freiwillig zum Krieg in der Ukraine gemeldet - wobei der Begriff freiwillig zu hinterfragen wäre. Auf jeden Fall - Igor wurde bereits am 20.12.2024 an der Front entsorgt. Es dauerte fast ein Jahr bis der Mann in seinem Heimatdorf bestattet wurde. Unter merkwürdigen Umständen fand die Trauerfeier in einem industrieähnlichen Gebäude statt - ohne Verwandschaft, ohne Bekannte. „Aufgrund seiner Lebensumstände hatte Igor Iwanowitsch weder Familie noch Freunde“, bekennt der Nachruf. Und so kommt der Verdacht auf, dass jener anscheinend wohnsitzlose Mann von den Behörden ganz „freiwillig“ an die Front abgeschoben wurde.

Flaris Tscharschambowitsch Nabiullin wurde am 30.12.1961 im kleinen Dorf Karabaewo in Baschkortostan geboren. Er lernte einen Traktor zu fahren und arbeitete sein ganzes Leben lang als Viehtreiber auf den Kolchosen Iskra und Magdan. Zur Rente hin wollte Flaris dann viel Geld verdienen und unterschrieb im November 2025 einen Vertrag mit dem Militär. Das Datum seines Todes wird nicht berichtet, aber Flaris wurde bei seinem ersten Einsatz getötet. Am 12. Dezember wurde er bestattet. „Mein Bruder Flaris, mein Verwandter, möge die schwere Erde leicht auf dir liegen, mögen die dunklen Täler hell sein und möge dein enges Grab weit werden. Du wirst lange in unseren Herzen weiterleben. Ruhe in Frieden, unser Bruder Flaris“, schreibt Schwester Chalida.

Salawat Sabyrgalijewitsch Bapalow wurde am 23. Februar 1967 im 200-Seelen-Dorf Schmagino im Süden der Oblast Astrachan geboren. Das Dorf wird überwiegend von Bürgern kasachischer Abstammung bewohnt. Salawat musste seinen Wehrdienst noch in der ehemaligen Sowjetunion absolvieren und meldete sich freiwillig zum Krieg in Afghanistan. „Dieser schreckliche Krieg hinterließ unheilbare Wunden“, heißt es vieldeutig im Nachruf. Sehr tief können diese Wunden nicht gewesen sein, denn am 8. September 2025 unterschrieb Salawat  einen Vertrag zu seinem zweiten Kriegseinsatz, der allerdings von kurzer Dauer war. Am 30. November 25 war Salawat Geschichte - laut seinem Nachruf wäre er  immerhin „heldenhaft getötet worden“.

Burjat-Inkasso! Nikolai Jurjewitsch Kuklin wurde am 11. August 1996 im Dorf Podlopatki im Süden Burjatiens geboren. Er hätte eine Ausbildung an der Eisenbahnerschule absolviert, wohl ohne Abschluss. So verschlug es Nikolai in die Hauptstadt Burjatiens, Ulan-Ude, wo er als Schuldeneintreiber bei einer privaten Sicherheitsfirma arbeitete. Im September 2022 wurde seine Tätigkeit unterbrochen, Nikolai wurde mobilisiert und kam an die Front. Am 01.09.25 wurde er getötet. „Nikolai war ein ruhiger, ausgeglichener, freundlicher und hilfsbereiter Mann. Er liebte seine Familie über alles, sorgte sich um sie und war stets zur Stelle, wenn jemand Hilfe brauchte“, meint der Nachruf.

Valery Nikolaewitsch Sampilow, geboren am 29.08.1988, wurde auf einem Milchviehbetrieb nahe dem Dorf Selenduma in Burjatien geboren. Seine Eltern starben früh und Valery kam ins Waisenhaus. Nach seiner Ausbildung war nicht viel los mit Valery, der Nachruf schweigt zu Beruf und Arbeit. Dafür meldete er sich im Jahr 2022 freiwillig zum Krieg in die Ukraine und hatte großes Glück - er kam in Gefangenschaft. Als Valery ausgetauscht wurde, hielt er es nicht lange zuhause aus. Er meldete sich 2024 erneut freiwillig und wurde am 1.03.25 getötet.

Es gibt keine Straße zum Dorf Krasneno, in dem gerade mal 70 Menschen leben. Es sind hauptsächlich Tschuktschen, die dort wohnen und vom Fischfang und der Jagd leben. Michail Sergejewitsch Peljatagin, geboren am 18. März 1994, war ebenfalls Fischer und Jäger, bis er sich im Oktober 2023 entschloss, im Krieg richtig viel Geld zu verdienen. Kaum angekommen im Kriegsgebiet war er am 18. November 2023 bereits tot. Zurück dauerte es wesentlich länger - am 5.12.25 gab die Stadtverwaltung der Hauptstadt seinen Tod bekannt. Der Termin der Beisetzung ist noch unbekannt.

Alexej Nikolajewitsch Tarasowsk, geboren am 25.12.1967, machte Karriere in seiner Geburtsstadt Jeisk in der Oblast Krasnodar. Er hatte es bis zum Polizeioberstleutnant gebracht und wurde vor ein paar Jahren pensioniert. Offensichtlich wollte auch er seine Rente aufbessern und zog in den Krieg. Am 21.11.2025 wurde er getötet.

Gabdreschit Abrazakowitsch Jusupow, geboren am 26.06.1961, lebte in der Großstadt Dimitrowgrad in der Oblast Uljanowsk. Am 6.12.25 wurde er dort begraben. Warum ist ein 64 Jahre alter Großvater in den Krieg gezogen? Die Antwort findet man in den Strafakten. Gabdreschit wurde im März 2023 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte seine Ex-Ehefrau zu Besuch, becherte mit ihr reichlich und beide gingen zusammen ins Bett. Am anderen Morgen wachte Großvater auf, neben ihm lag seine erstochene Frau und er konnte sich an nichts erinnern. Auch er zog den Krieg dem Gefängnis vor und meldete  sich „freiwillig“. Natalja schreibt zur Todesmeldung: „Ewiges, strahlendes Andenken dem Helden! Mein Beileid an seine Familie.

„Es ist besser, ein hungriger Wolf zu sein als ein wohlgenährter Schakal“, schrieb Wladimir in seinen Status auf VKontakte am 22.10.24. Später, im Januar 2025 zählte er die Rubel, die Freiwillige für den Krieg in der Ukraine als Antrittsprämie und Gehalt bekommen. Danach war Stille auf seiner Seite bis zum 3.12.25: „Mit tiefer Trauer und großem Schmerz im Herzen teilen wir Ihnen mit, dass unser lieber Vater, Großvater, Bruder, Onkel und Freund am 30. Juni 2025 während einer militärischen Sonderoperation ums Leben kam.“  Wladimir Gennadijewitsch Tatarinow, geboren am 18. Mai 1967, lebte in der Stadt Tschernuschka im Süden der Region Perm.

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