Schwiegervater gesucht!  Alexander Sergejewitsch Glotow, geboren am 8. Juli 1959, stammte aus der großen Staniza (Kosakensiedlung) Giaginskaja in der russischen Teilrepublik Adygeja. Was den Mann kurz vor dem Rentenalter in den Krieg zog, bleibt unbekannt. Aber wahrscheinlich wollte er einfach mal viel Geld verdienen. Am 1. März 2024 suchte seine Schwiegertochter nach ihm. Da war er schon tot, das Erbschaftsregister gibt als Todesdatum den 18.10.2023 an.

Die Heldenbrust von Boris Georgiewitsch Petromanow ist überfüllt mit Orden und Auszeichnungen. Er war Veteran der Direktion für Innere Angelegenheiten, Kampfveteran, Träger des Tapferkeitsordens und Rentner des Föderalen Strafvollzugsdienstes Russlands. Boris. geboren am 29.05.1961 in einem Dorf in der Oblast Irkutsk, lebte in der Hauptstadt Jakutsk der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Dort unterbrach er sein Rentnerdasein, um Schülern den Umgang mit Gewehren und das Schießen beizubringen. Doch wenn irgendwo ein Krieg ist, muß auch Boris trotz seiner 64 Jahre wieder dabei sein. Er unterzeichnete einer Vertrag zum Kriegsdienst und war am 15.07.25 tot.

Die Ganovengeschichte von Viktor Jurjewitsch Baschenow könnte Stoff für einen Krimi hergeben. Viktor, geboren am 8. Juni 1966, wurde im Dorf „Pariser Kommune” in der Oblast Irkutsk geboren und stammte aus einer Eisenbahnerfamilie. In den Jahren nach der Perestroika beschloss Viktor sich selbständig zu machen. Offiziell war er Besitzer eines Parkplatzes in der Stadt Taischet, ganz inoffizell gründete er eine kriminelle Gang mit Ehefrau und erwachsenem Sohn - spezialisiert auf das Ausrauben von Lastwagen.
Einer ihrer Beutezüge erfolgte im Jahr 2022. Sie bauten einen PKW so um, dass er hinten an einem Lastzug fest andocken konnte. Danach konnte man die Windschutzscheibe ihres Autos herunterklappen und die Diebe konnten während der Fahrt die Ladung des LKWs in ihr Fahrzeug umladen.
Am 6.11.24 wurde Viktor zusammen mit seinen Familienmitgliedern zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Viktor zog den Krieg dem Gefängnis vor, am 30. Mai 25 wurde er getötet, am 26.10. beigesetzt.

Dmitri Jewgenjewitsch Surschenko, geboren am 8. November 1990, wuchs in der Stadt Kjachta auf. Die Stadt liegt in Burjatien nahe der Grenze zur Mongolei. Noch während seiner Schulzeit begann er eine Ausbildung zum Programmierer. Danach belegte er in Moskau Kurse zur IT-Sicherheit und schloss mit Auszeichnung ab. Im Jahr 2021 machte er sich selbständig. Trotzdem wurde er im Herbst 2022 zum Krieg in der Ukraine mobilisiert. Am 4. Oktober 2025 wurde er getötet. Dimitri ist ein Beispiel dafür, wie Russland auf allen Ebenen hoch qualifizierte Bürger des Landes für den Krieg opfert.

Andrej Sergejewitsch Longortow, geboren am 30.07.1995, lebte im Dorf Muschi im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und war bei der Feuerwehr. Im Jahr 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und wurde Drohnenpilot. Für ihn war das so selbstverständlich, wie mit Verwandten zur Jagd zu gehen, obwohl andere Dorfbewohner nur im Zinksarg zurück kamen. Am 7. September 25 veröffentlichte er das letzte Foto von der Front, am 19. Oktober war er tot. Es war bitter kalt bei seiner Trauerfeier am 9.11.25.

Ob-la-di, ob-la-da, life goes on“ - der olle Beatles Song war wohl Igors Lieblingslied laut seinem VKontakte-Status. Das Leben geht aber nicht weiter, wenn man mit 63 Jahren meint, in den Krieg ziehen zu müssen. Igor Jefimowitsch Awerschin, geboren am 17. Juni 1961, lebte in der Stadt Raduschny im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Igor wurde am 28.04.25 getötet und am 21.10.25 beigesetzt.

Mit Kreuz und Kalaschnikow ist Michail Tscherny in den Krieg gegen die Ukraine gezogen. Michail war Küster in der Kirche des Erzengels Gabriel in Kertsch auf der Krim. Zurück kam er im Zinksarg, getötet am 1. Mai 2025, begraben am 21.10.25.

Viktor Michailowitsch Wueljo, geboren am 8. Dezember 1969, wuchs im Tschuktschendorf Nunligran auf. Das Dorf mit knapp 300 Bewohnern, Tendenz fallend, liegt in einer Bucht an der Beringsee. Viktor hatte eine Ausbildung zum Geländewagenfahrer und arbeitete er in einer Rentierzüchterbrigade, für den Staatsbetrieb Tschukotkommunchos und den städtischen Betrieb Sewer. Auch er wollte vor dem Rentenalter noch extra Geld verdienen und meldete sich im Mai 2023 freiwillig zum Kriegsdienst. Am 3. Mai 2025 wurde er getötet.

Das Dorf Schentala in der Oblast Samara ist erst durch den Bau einer Eisenbahnlinie entstanden. Aus diesem Dorf kam Viktor Ignatjewitsch Bogdanow, über den wir nichts in Erfahrung bringen konnten, außer dass er im Krieg gegen die Ukraine getötet und am 22.10.25 im Dorf begraben wurde. Doch das Foto seines Gesichts sagt, dieser Mann hätte niemals in den Krieg geschickt werden dürfen.

Ausgetanzt! Ranschur Gombojewitsch Batomunkujew, geboren am 16.04.1995 in Krasnokamensk, war Mitglied des Tanzensembles „Seseg" und ertanzte sich 2014 ein Diplom bei einem Talentwettbewerb. Dazu studierte er Jura und schloss seine Ausbildung erfolgreich ab. Dann kam der Wehrdienst und danach war alles umsonst. Ranschur musste eine Stelle in einem Flugzeugwerk annehmen als Arbeiter in der Stanzerei für Rohrleitungen. Im Dezember 2024 meldete er sich freiwillig, am 16.04.25 war er tot.

Maxim Wladimirowitsch Kirilin, geboren am 17. August 1977, lebte in der Kleinstadt Bogutschar in der Oblast Woronesch. Die Stadt wurde einst von Kosaken gegründet, wobei wir gleich beim Thema wären. Auch Maxim fühlte sich zum Kosakentum berufen und gab den harten Hund. Zitat: „Keine Hure in Militäruniform kann mich brechen, außer vielleicht eine Frau." Bereits im Jahr 2022 war er bei der russischen Invasion dabei und kehrte heil zurück. Bei einem späteren Einsatz hatte er weniger Glück, das russische Erbschaftsregister hat seinen Tod am 16.05.2024 verzeichnet.

Eine Sanitäterin und Krankenschwester im Fronteinsatz sollte vielleicht nicht mit einem Maschinengewehr herumfuchteln, sondern ein großes rotes Kreuz auf ihrer Kleidung tragen. Dafür hatte Taigana eine Menge Orden eingesammelt: 

  • „Für Mut, Tapferkeit und gewissenhafte Pflichterfüllung“,
  • „Für selbstlosen Einsatz und Pflichterfüllung“,
  • „Für den Schutz des Lebens und der Gesundheit unserer Soldaten“.

Jetzt kann sie sich nicht mehr um Tochter und Sohn kümmern. Am 1. November 25 wurde Taigana Belek-Bairowna Dongak aus Kyzyl, der Hauptstadt von Tuwa, getötet.

Auch bei Ildus ist das Wertesystem durcheinander geraten. Ildus Zakarewitsch Atlasow, geboren am 11. April 1962 in Kasachstan, war Feuerwehrmann im „Regionalen Waldbrandzentrum" der Oblast Krasnodar. Statt weiter dem Schutz der Natur und der Menschen der Region zu dienen, wollte er auf seine alten Tage noch einen profitableren Job übernehmen. Er beschloss im November 2024, statt Menschen zu schützen, von nun an Menschen zu töten. Ildus unterschrieb einen Militärvertrag mit mäßigem Erfolg. Im Mai 2025 wurde sein Tod gemeldet.

Sergej Nikolajewitsch Prontschenko, geboren am 24.03.1985, lebte im Bezirk Nowoburassky im Norden der Region Saratow. Im Herbst 2024 wollte auch Sergej beim Kriegsspielen mitmachen, mit bescheidenem Erfolg. Am 5. Januar 25 war er tot, ein weiteres Leben gibt es bei diesem Spiel nicht. Der Gouverneur der Oblast fand warme Worte: „„Sergej Nikolajewitsch Prontschenko war ein treuer Waffenbruder und ein Patriot des Vaterlandes. Er erfüllte seine militärische Pflicht mutig."

Alexander Gook hatte zwei Hochschulabschlüsse und arbeitete als Anwalt für eine Hausverwaltung in der Stadt Serow, Oblast Swerdlowsk.  Er bekam im November 2024 Besuch von seiner Geliebten Olga mit deren siebenjährigem Sohn (Link). Betrunken tötete er Olga und den Sohn als Zeugen der Tat gleich mit. Die Opfer zerstückelte er und entsorgte sie verteilt in der ganzen Stadt über den Hausmüll. Nur Olgas Kopf bewahrte er lange in einem Topf auf seinem Balkon auf. Der Schädel landete schließlich in einem Garten und so kam die Tat an die Öffentlichkeit. Ende Oktober 2025 sollte der Gerichtsprozess beginnen, der Termin fand nicht statt, Alexander befindet sich auf dem Weg zur militärischen Einweisung. An der Front kann er dann Olgas Ehemann kennen lernen - der hatte sich im Frühjahr freiwillig gemeldet, falls er noch lebt.

Kennt jemand die Autonome Republik Nachitschewan im Kaukasus? Die Republik gehört zu Aserbaidschan, ist aber eine Exklave, die eine Grenze zu Armenien, Iran und 12 km zur Türkei hat. Von dort kam Sardar Suleiman oglu Nasirow, der auch die russische Staatsbürgerschaft besaß, und im Jahr 2023 von Aserbaidschan an Russland ausgeliefert wurde.  Ihm wurden Morde und Raubüberfälle in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Personen sowie weitere Raubüberfälle vorgeworfen. 
Am 30.10.25 kam Sardar zurück nach Aserbaidschan, wenn auch im Sarg. Auch er hatte sich freigekauft und einen Vertrag mit dem russischen Militär unterschrieben.

Boris hatte ein bewegtes Leben! Nach seinem Abschluss am Moskauer Labor für Militärtechnologie diente er beim FSB und der Moskauer Kriminalpolizei, kämpfte in Tschetschenien und spielte die Hauptrolle in der Serie „Bezirksdetektiv“. Folglich war er auch als Hauptmann an der Front in der Ukraine aktiv. Sein Tod war dagegen banal. Zusammen mit anderen Soldaten suchte er Schutz in einem Unterstand - eine Drohne verfolgte die Gruppe in die Deckung hinein, alle waren tot. Boris Valentinowitsch Polowinkin, geboren 1964, lebte in der Oblast Moskau.

Rinat Chakimowitsch Tschurakow, geboren am 4. November 1961 in Saransk / Mordwinien, war eigentlich Bauer - zumindest formal. Tatsächlich hatte er eine knallharte Bande gegründet, die er Kraft seiner Autorität und Brutalität anführte. Die Masche der Bande war die Erpressung anderer Landwirte der Region, deren Subventionen er abkassierte. Dazu kamen noch der Auftragsmord an einem abtrünnigen Bandenmitglied und Brandstiftung am Bestattungsinstitut „Requiem“. Rinat bekam dafür 15 Jahre Haft, die er am 22.12.24 gegen einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium eintauschte. Aber auch harte Kerle haben an der Front ein kurzes Leben - am 6. April 2025 vollstreckte eine ukrainische Drohne das alternative Todesurteil.

Istra ist eine Stadt im Westen der Oblast Moskau, die am Fluss Istra liegt. Dort wurde im Herbst 2023 eine neue Formation der Gruppe Wagner gebildet - die Legion Wagner-Istra. Sie soll aus mehr als tausend ehemaligen Wagner-Kämpfern bestehen, die von Wagner-Kommandanten geführt wird und dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt ist. Saul Gerardo Kuhi, geboren 1994, stammte aus Ecuador und war nach Russland gezogen.  Ihm wäre seine neue Heimat so sehr am Herzen gelegen, dass er der Gruppe Wagner-Istra beitrat, fabuliert der Nachruf. Viel wahrscheinlicher ging es Saul um die gute Bezahlung und den russischen Pass. Anfang Oktober wurde er in Istra begraben. Die Kapelle spielte folglich auch zwei Nationalhymnen: Russland & Ecuador.

Die Hooligan-Einheit „Hispaniola" trauert um Wladimir Wiktorowitsch Prosow:
Es gibt Menschen mit goldenen Händen, es gibt solche mit einer goldenen Seele. Unser Langer vereinte alle goldenen Eigenschaften in sich.
In der Region Belgorod ist der Kämpfer der Artilleriedivision Hispaniola, Wladimir Prosolow (15.11.1976 — ∞ [13.10.25]), Rufname „Langer“, bei einem Dienstauftrag ums Leben gekommen. Das zivile Fahrzeug, in dem er sich zu diesem Zeitpunkt befand, wurde von einem feindlichen Drohne getroffen, Wladimir verstarb noch am Unfallort.
Gebürtig aus Moskau, Teilnehmer der rot-weißen Bewegung, immer treu, immer hilfsbereit, immer richtig. Auf solchen Menschen ruht unsere Brigade, die Russische Armee und ganz Russland.

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