Vitaly Jurjewitsch Sanotschkin, geboren am 02.03.1992 (in rot),  lebte mit seiner Familie in einem Wohnheim in der Bogdan-Chmelnitsky-Straße (heute geschlossen) in Nowosibirsk. Zusammen mit seinem Kumpel Konstantin Sudarkin, aus dem selben Wohnheim, tanzten sie Tectonic zu elektronischer Musik.
Das Video wurde Anfang der 2010er Jahre im Wohnheim in einem Raum mit postsowjetischem Interieur gedreht.  Im Internet ist es seit 2022 zu finden: Vitaly hat es auf TikTok mit dem Kommentar „Vor zehn Jahren wären wir definitiv in die Nachrichten gekommen” gepostet. Und plötzlich hatte es 135 Millionen Aufrufe.
Die Leute bitten darum, das Video noch einmal zu drehen. Aber leider ist es nicht mehr möglich, zu zweit zu tanzen, weil Vitaly letztes Jahr im Krieg gefallen ist”, erzählte Konstantin Sudarkin. Vitaly wurde am 25.01.2025 getötet und hinterlässt seine Frau und eine 2-jährige Tochter.

Gib ihnen ein Gewehr, so fühlen sie sich stark. Gib ihnen zwei Gewehre, fühlen sie sich unverwundbar. Dimitri Lisitschnikow wurde am 26.11.1976 im Dorf Rudnogorsk in der Oblast Irkutsk geboren. Er hatte drei Geschwister,  der Vater war nicht existent. Dimitri  zog mehrfach um, heiratete und wohnte die letzten Jahre im großen Dorf Nowaja Igirma - auch in der Oblast Irkutsk. Über einen erlernten Beruf wird nichts berichtet. Im April 2024 meldete sich Dimitri freiwillig zum Kriegsdienst, bereits am 1. Juli 2024 war sein Leben vorbei. Sein älterer Bruder Andrej, geboren am 20.03.73, machte den selben Fehler und wurde am 29.03.2025 getötet.

Sergej Wladimirowitsch Petrow wurde am 21. Mai 1997 in Jewpatorija auf der Krim geboren. Er machte als Jugendlicher Karriere in den ukrainischen nationalen Jugendmannschaften und spielte danach für ukrainische Profiteams. Im Jahr 2021, also eigentlich im besten Fußballeralter, bekam er keinen neuen Vertrag in der Ukraine. Zwei Jahre später schloss er sich Teams in Usbekistan an, aber auch dort hielten sich seine Einsatzzeiten in Grenzen. So meinte der gescheiterte Fußballer Sergej, dass er in Zukunft sein Geld im Töten seiner Landsleute verdienen wolle. Er meldete sich im Juni 2025 freiwillig zum Kriegsdienst beim russischen Militär und wurde am 14. Februar 2026 getötet.

Oberst Erik Selimow, geboren am 03.09.1987 in der Stadt Samara, hatte kein Glück zum Beginn des Jahres:

Am 4. Januar 2026 kam es bei einem Verkehrsunfall zum Tod des Kommandeurs der 136. separaten Garde-Motorbrigade (Militäreinheit 63354) Oberst Erik Anwerowitsch Selimow.
Das Fahrzeug, in dem der Brigadkommandeur und drei weitere Soldaten unterwegs waren, stieß in der Region Altschewsk mit einem UAZ-Fahrzeug zusammen, in dem Soldaten der 88. separaten Motorschützenbrigade (Militäreinheit 26388) saßen. Infolge des Unfalls starben Selimow und drei Soldaten der 136. Brigade vor Ort. Zwei Soldaten der 88. Brigade befinden sich in einem kritischen Zustand.

Aus der russischen Teilrepublik Altai kam Aidar Michailowitsch Tschurupow. Er wurde am 04.12.1975 im Dorf Ust-Kan geboren. Aidar hatte im Altai tradionelle Musik studiert und war dort ein bekannter Volkskünstler. Zudem baute er die tradionellen Musikinstrumente selbst, war Sänger, Volkserzähler und Kehlkopfsänger. Doch auch Aidar zog im August 2023 in den Krieg gegen die Ukraine - warum auch immer. Am 12. Januar 2026 wurde er in seinem Heimatddorf bestattet.

Emin Dobardschitsch, 60 Jahre alt, wäre ein Unternehmer, Sozialaktivist und Reisender aus Jaroslawl gewesen, schreibt die Presse im Nachruf. Warum der Mann auf seine späten Tage meinte, auch noch Ukrainer in deren eigenem Land töten zu müssen und sich im Jahr 2025 freiwillig meldete, wissen wir nicht. Aber am 13. Januar 2026 wurde er bei einem Angriff im der Region Donezk getötet. Am 28. Januar wurde er in Jaroslawl begraben. Die üblichen russischen Blumenkränze aus Plastik waren am Grab nicht erlaubt, Emin war Muslim.

Fanil Fakilowitsch Karimow, Alter unbekannt, kommt aus dem baschkirischen Bezirk Baimak, über den wir schon so viel berichtet haben. Auch er hatte sich freiwillig gemeldet und kam nicht lebend zurück. Am 3. Januar 2026 wurde er in seinem Heimatdorf begraben. Auf jenem Foto sitzt er auf einem kleinen Motocross- Motorrad, wahrscheinlich chinesischer Bauart, mit dem die russischen Soldaten versuchen, ungeschützt durch die ukrainischen Verteidigungsreihen durchzubrechen.

Ein Mann in seinem Alter hat eigentlich im Krieg nichts verloren. Viktor Alexejewitsch Utjaschew wurde am 26.01.1963 im Dorf Iwolginsk in Burjatien geboren. Er arbeitete vorwiegend als Fahrer für unterschiedliche Firmen. Im Juni 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, will aber das so nicht gewusst haben. Zumindest behauptete er das in einem Verhör durch ukrainisches Militär. Viktor war im Oktober 2023 in Kriegsgefangenschaft geraten. Doch auch Viktor bekam eine zweite Chance zum Sterben. Nach einem Gefangenenaustausch wurde er vom russischen Militär erneut an die  Front geschickt. Er wurde am 12. Januar 2025 getötet.

Die Liste seiner Auszeichnungen ist lang:

  • Mehrfacher Champion der Republik Sacha (Jakutien).
  • Zweifacher Champion des Fernen Ostens (Wladiwostok).
  • Champion und Preisträger Russlands. Champion der GUS (Sotschi).
  • Zweifacher Champion Asiens (Tscheljabinsk, 1993-1994).
  • Champion Europas (Lissabon, Portugal, 1994).
  • Bronze-Preisträger der Weltmeisterschaft (Kiew, Ukraine, 1995).
  • Vize-Weltmeister (Budapest, Ungarn, 1993).

Ajjal Timofejewitsch Borisow, geboren am 02.06.1974, lebte im Dorf Chorobut in Jakutien/Sacha. Im Jahr 2021 war er Angeklagter in einem Strafverfahren. Er hatte ein Opfer so geschlagen, dass es danach starb. Um dem Gefängnis zu entgehen, schloss er einen Vertrag mit dem russischen Militär ab. Irgendwann im Jahr 2025 wurde er getötet.

Alexander Alexandrowitsch Boltschew, 09.07.1996 - 20.05.2023, stammte aus dem Dorf Gagarino im Bezirk Lew-Tolstoi in der Oblast Lipezk. Er war arbeitslos, hatte eine Tochter aus einer Beziehung, zudem ein Alkoholproblem und machte, wenn er betrunken war, viele dumme Sachen. So stahl er dem Ortspolizisten ein Lamm, schlachtete es und aß es auf. Dafür bekam er dreieinhalb Jahre in einer strengen Haftanstalt. Da tauchte Jewgeni Prigoschin, Chef der Gruppe Wagner, persönlich im Knast auf und rekrutierte gleich mehr als die Hälfte aller Gefangenen. Bevor es an die Front ging, heiratete Sascha noch eine „Schwarze Witwe“, die er über das Internet kennen gelernt hatte und die eigentlich nur auf die Abfindung im Todesfall spekulierte.
Beim Sturm auf die ukrainische Stadt Bachmut wurde Alexander verletzt und kam in Gefangenschaft. Es gibt dazu ein sehenswertes 20-minütiges Interview mit ihm bei Youtube mit englischen Untertiteln. Alexander wurde schließlich ausgetauscht, kam heim nach Russland und musste zurück an die Front. Sein Tod wurde  erst jetzt bekannt.

Ein Zinksarg aus dem Krieg ist in Jakutsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien) angekommen. Einer der Lagerarbeiter hat ein Foto des Holzverschlags aufgenommen, in denen die Särge verschickt werden.  Er hat das Foto dem Telegram-Kanal „Die Toten aus der Republik Sacha“ zur Verfügung gestellt. So wissen wir, dass auch - M. S. Korotygin - im Krieg getötet wurde. Mehr wissen wir nicht.

Albert hatte noch eineinhalb Monate Wehrdienst abzuleisten. In seiner Personalakte wurde er als höflicher und umgänglicher Soldat beschrieben. Am 9. April 2002 kam er sturzbesoffen zurück in die Kaserne und randalierte ein wenig. Der Wachposten wollte ihn ins Bett schicken, Albert entriss ihm die Kalaschnikow und erschoss ihn. Danach exekutierte er gleich noch einen Gefreiten, einen Oberfeldwebel und einen Oberleutnant, die auf Grund der Schüsse alarmiert worden waren. Schließlich versteckte sich Albert in einer Abstellkammer.
Beim Prozess gab Albert an, er wäre von seinen Vorgesetzten schickaniert worden. Das Gericht glaubte ihm nicht und verhängte 24 Jahre Haft in einem Hochsicherheitslager.
Das ist lange her und dieses Jahr wäre Albert aus der Haft entlassen worden. Doch Albert hatte sich „freiwillig“ zum Kriegsdienst gemeldet, war etwas früher frei gekommen und wurde schnell getötet. Albert Fanurowitsch Sibogatow, 09.01.1982 - 11.07.2024, lebte einst in der Großstadt Kopeisk in der Oblast Tscheljabinsk.

Es gibt viele Möglichkeiten im Krieg zu sterben, Pawel kam weder durch eine Kugel noch eine Granate ums Leben. Es war heiß an der Front, Pawel saß irgendwo in einem Erdloch, hatte kein Wasser mehr und war durstig - sehr durstig. Also trank er Wasser aus irgendeiner Pfütze in der Nähe. Er bekam Durchfall, Erbrechen und hohes Fieber. Als er schließlich von seinen Kameraden ins Krankenhaus gebracht wurde, war er nicht mehr zu retten. Der Fall von Pawel ist kein Einzelfall, viele russische Soldaten sitzen tagelang verloren in einem Loch und bekommen keinen Nachschub mehr, weil durch Drohnengefahr  kein Transport mehr durchführbar ist. Pawel Gubin, 31.05.1988 - 14.08.2025, stammte aus der Kleinstadt Nowoanninski in der Oblast Wolgograd und hatte sich am 18. Mai 25 freiwillig gemeldet.

Das Plakat wurde bereits im Jahr 2022 im Dorf Beja in Chakassien aufgehängt. Es zeigt vier Berufssoldaten aus dem Dorf, die im russischen Angriffskrieg in der ersten Kriegsphase getötet wurde. Den ersten Soldaten, Alexander Kartajew, haben wir bisher nicht erfasst. Alexander wurde am 26.05.1997 im Dorf Beja geboren und am 24.03.2022 in der Ukraine getötet. Sein Lebenslauf: Alexander war ein fauler und unruhiger Schüler mit Lernproblemen. Die Berufsausbildung brach er ab und verpflichtete sich als Zeitsoldat beim Militär. So war er auch beim russischen Angriff vorne mit dabei. Seine Mutter klammert sich an die übliche Heldensaga: Alexander hätte zwei verwundete Kameraden vom Schlachtfeld weggetragen und wäre von den hinterhältigen Ukrainern dabei getötet worden.

Die anderen Soldaten - Alexander Ewsjukow (Pos. 12), Hauptmann Kirill Tschebodajew (Pos. 16) und Anatolij Nerbyschew (Pos. 25)  finden sich auf unserer ersten Zusammenstellung über die Verluste aus Chakassien. 

Wir sind am östlichen Ufer des Baikalsees in Burjatien. Dort gibt es eine Halbinsel mit dem Namen „Swjatoi Nos“, was so viel wie heilige Nase bedeutet. Die Halbinsel ist 53 km lang und die breiteste Stelle beträgt etwa 20 km. Ein gewaltiges Bergmassiv mit einer Höhe von knapp 1.900 Metern zieht sich durch die Halbinsel. Die größte Siedlung darauf heißt Kurbulik und hatte im Jahr 2010 gerade mal 100 Bewohner. 
Einer davon war Nikolai Petrowitsch Orlow. Nikolai wurde am 19. Mai 1962 geboren und hat die Schule nicht ganz geschafft. Was danach passierte, verschweigt der Nachruf. Man kann davon ausgehen, dass Nikolai keiner geregelten Arbeit nachging. Aber er wäre ein „ein zuverlässiger und liebevoller Ehemann und Vater“ gewesen. Vermutlich wegen des Geldes unterzeichnete Nikolai am 4. Februar 2024 einen Vertrag mit dem Militär. Da war er schon 61 Jahre alt. Immerhin fast zwei Jahre überlebte er an der Front. Am 4.12.25 wurde er getötet.

Oleg Wostokow war Nachrichtenredakteur und Moderator bei einer staatlichen Rundfunkanstalt in Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai. Man kann annehmen, dass er bei „Radio Herz“, so heißt der Rundfunksender, eher mit ganz leichter Thematik unterwegs war. Zumindest in eigener Sache hat er bei seiner notorischen Horoskop-Sendung kläglich versagt. Im Dezember 2025 meldete sich Oleg freiwillig an die Front in der Ukraine. Doch auch Promis werden dort nicht geschont. Seinen wahrscheinlich ersten Einsatz hat Oleg nicht überlebt. Am 30.01.2026 findet seine Beisetzung in Barnaul statt.

Mit dem Rufzeichen 'Engel' ist Tatjana ausgezogen, ihr Heimatland zu verteidigen“, schreibt der Nachruf. „Sie wollte so sehr leben, sich an der Welt erfreuen, die sie verteidigte. Doch der Feind nahm uns unseren Engel“. Nein - man kann sich an Tod und Zerstörung niemals erfreuen und genau dieses Inferno unterstützte der Pseudo-Engel - zunächst als Spendensammlerin und danach als aktive Soldatin. Sie hat niemals Leben gerettet, sondern den Bewohnern der Ukraine nur den Tod gebracht. Tatjana Alexandrowna Pawlenko, 08.08.1989 - 09.01.2026, stammte aus der russischen Exklave Kaliningrad.

Rif Ramilewitsch Adigamow lebte in Baschkortostan und hatte Kinder von zwei verschiedenen Frauen. Am 10. Oktober 2025 verschwand er an der Front. Seine Frau fragt jetzt öffentlich, wer eigentlich die Abfindung im Todesfall erhält? Oder ob eventuell alles doppelt ausgezahlt wird. Dafür hat Baby Adigamow jetzt ein T-Shirt mit dem Foto seines Vater bekommen.

Andrej Gurtowenko lebte in Sewastopol auf der ukrainischen Krim, wie er auf seinem Facebook-Account schreibt. Sein Beruf war Landschafts- und Innenarchitekt und wenn man den Freunden und Fotos glauben kann, dann gehörte er eher zu den intellektuellen Kreisen der Stadt. Aber auch er ist für Russland in den Krieg gezogen und wurde am 20. Mai 2025 getötet. Seine Freunde verstehen das nicht...

Das Dorf Peschany (Sandig) liegt in Kalmückien und dürfte etwa 600 Bewohner haben. Es gibt eine asphaltierte Straße hin zum Dorf, aber die Bewohner haben weder Wasserversorgung noch Kanalisation. Juri kam aus diesem Dorf und meinte, mit 63 Jahren noch jung genug für einen Krieg zu sein. „Juris Heldentat ist ein Beispiel für wahren Mut, Treue zum Eid und Vaterlandsliebe. Sein Name ist für immer in die Geschichte des Prijutnenski-Bezirks und in die Annalen des russischen Militärruhms eingegangen“, jubiliert die Bezirksverwaltung. Aber Obacht - unser Juri meldete sich im Januar 2024 freiwillig und war am 5. Februar 2024 schon tot. So toll können Juris Heldentaten nicht gewesen sein. Nach Hause ging es dann bedächtig - am 23.12.2025 wurde er bestattet. Juri Aleksejewitsch Sangadschiew, 23. Mai 1961 - 05. Februar 2024.

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